| Oktober 2003 |
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06.-12.10.03 Am Tag vor der Abreise habe ich alle notwendigen Sachen in meinen alten, aber treuen, VW Golf II gepackt und mich frühzeitig zur letzten Nachtruhe auf deutschem Boden für eine lange Zeit gelegt. Am nächsten Morgen ging es dann in aller Frühe los, zunächst holte ich noch Patrick ab, der mich auf dieser Reise begleiten sollte. Danach fuhren wir in gemütlichem Tempo und ohne besondere Zwischenfälle nach Zeebrugge in Belgien, von dort ging es dann mit der Fähre direkt nach Rosyth in Schottland. Die Überfahrt dauerte 17 Stunden und war eine sehr stürmische Angelegenheit, mir persönlich etwas zu stürmisch, was aber wohl daran lag, dass ich einfach kein Seemann bin. Patrick dagegen hat die Fahrt sehr genossen. Was noch zu der Fähre zu sagen wäre: mein Bedarf an Musik von Rod Stewart, welche ich im übrigen schon vorher nicht besonders toll fand, ist seitdem für die nächsten 95 Jahre gestillt. Noch etwas bleich um die Nase herum erreichten wir am Morgen des 07. Oktobers die Bucht vor Edinburgh, ihr für deutsche Zungen schwer auszusprechender Name lautet Firth of Forth. Es war ein herrlich sonniger Herbsttag und ich wußte, dass mich eine aufregende und schöne Zeit erwartet. Von der Fähre runter, hieß es erstmal: Achtung Linksverkehr! Die beste Methode sich daran zu gewöhnen ist, dass man einfach hinterherfährt, zumindest so lange bis man abbiegen muss. In Edinburgh angekommen, versuchten wir zunächst einmal meine Schule ausfindig zu machen, was uns auch nach kurzer Zeit gelang. Der erste Eindruck war sehr gut. Die Schule werde ich im Verlauf meiner Erzählungen noch öfter erwähnen, also nur Geduld. Nachdem ich nun also meine Wirkungsstätte für die nächsten Monate besichtigt hatte, gingen wir daran die Stadt zu erkunden. Zum Glück war Patrick dabei, denn zu zweit erträgt man das Chaos in einer noch fremden Stadt einfach leichter. Eine Unterkunft für die ersten Tage hatte ich auch. Zusammen mit Patrick nächtigte ich bei einem Freund meines Vorgesetzten. Was sehr gut war, denn so konnte ich ohne Zeitdruck eine eigene, dauerhafte Bleibe suchen und konnte etwas Geld sparen. Die erste Woche war also geprägt von Wohnungssuche, Busfahrten und langen Fußmärschen durch eine wunderschöne Stadt. Als Patrick am Freitagmorgen dann von Edinburgh Richtung Leeds aufbrach hatte sich für mich auch das größte Problem erledigt, denn ich hatte eine Wohnung gefunden. Ich musste nicht lange überlegen, denn als ich die Wohnung gesehen hatte, wollte ich so schnell wie möglich dort einziehen, was ich auch am Samstag tat. Es ist eine fabelhafte Wohnung, die ich mit 2 Frauen teile. Auch dazu gibt es später noch mehr zu berichten und es wird auch Bilder geben. Die erste Woche war überstanden und der Start war sehr vielversprechend, auch wenn ich oft an Deutschland und meine Freundin, die ich zurücklassen musste, denke. Mal sehen was die nächste Woche so bringt. Seid ihr auch schon gespannt? 13.-19.10.03 Montags habe ich zum Glück frei, so dass ich heute endlich versuchen konnte mein Bankkonto zu eröffnen. Was für einen Ausländer in Schottland fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, aber auch hier zahlt es sich aus Geduld zu haben, denn im vierten Anlauf hat es geklappt. Am Dienstag wurde es dann ernst und ich hatte meine ersten Stunden an der Craigmount High School als Language Assistant. Die größte Herausforderung hatte ich dabei noch vor der Fahrt zur Schule, denn hier in Großbritannien ist es üblich, dass man als Lehrer Hemd und Krawatte trägt. Ungefähr nach 122 Versuchen habe auch ich einen Krawattenknoten hinbekommen, mit dem ich mich unter Leute trauen konnte. Zum Unterricht kann ich noch nicht so viel sagen, ausser das es viel Spaß macht und die Schüler, zumindest jetzt noch, sehr interessiert sind. Mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Modern Language Department komme ich sehr gut aus, sie sind alle sehr nett und das Arbeitsklima ist sehr gut. Die Woche ging sehr schnell rum, was aber das allerbeste daran war, ist die Tatsache, dass freitags die Herbstferien angefangen haben. Aus diesem Anlaß trafen sich einige Lehrer zu einer Art After-Work-Party am Freitagnachmittag in einer Bar. Es war ein sehr amüsanter Tag der sich bis in den Abend hineinzog und ich konnte viele neue Leute kennenlernen. Und ich wäre nicht Alex, wenn ich nicht noch von der einen Party direkt zur nächsten gezogen wäre, so dass ich erst sehr spät im Bett war. Dies sollte sich am nächsten Tag bitter rächen, denn ich musste nach Glasgow fahren, da ich am Sonntag von Prestwick aus nach Deutschland fliegen wollte. Irgendwie hatte ich es doch geschafft lebend in Glasgow anzukommen, wo mich Catriona, eine Lehrerin an meiner Schule abholte. Denn ich verbrachte die Nacht bei ihrer Schwägerin, damit ich es am Sonntag nicht so stressig haben sollte. 20.-26.10.03 Die Woche vom 20.10. bis 26.10. habe ich dann in Deutschland verbracht, wo ich so nebenbei meine Wohnung untervermietet und zusammen mit Patrick meinen Umzug nach Rastatt vollbracht, den mündlichen Teil meiner Vordiplomsprüfung bestanden habe und endlich meine Freundin wiedersehen konnte. Mit ihr habe ich mir den Film "Das Wunder von Bern" angeschaut, der wirklich nur zu empfehlen ist. Ach ja, ein lesenswertes Buch ist "Herr Lehmann" von Sven Regener. Wie es mit mir in Edinburgh weitergeht und ob sie wegen mir die Sperrstunde wiedereinführen wollen oder vielleicht doch den Rechtsverkehr, könnt ihr in den nächsten Tagen hier erfahren. 27.10-01.11.03 Am 26.10. bin ich wieder zurück nach Schottland geflogen, wo ich auch wohlbehalten in Prestwick gelandet bin, um danach wieder die Odysee mit dem Bus von Prestwick über Glasgow nach Edinburgh auf mich zu nehmen. Die Woche fing wie immer mit einem freien Tag an, den ich zum Ausruhen genutzt habe.Der erste Schultag nach den Ferien war sehr stressig, zum einen, da ich selber noch in Ferienstimmung war und zum anderen da die Schüler alle ausgeruht und total aufgedreht waren. Aber auch dieser Tag ging vorbei... Den Mittwoch hatte ich frei, es war ein wundervoller, sonniger Herbsttag, so dass ich mich dazu entschieden habe, eine kleine Expedition durch den Holyrood Park und auf den Arthur's Seat zu unternehmen. Der Arthur's Seat ist der höchste Punkt in Edinburgh, von dort aus hat man einen herrlichen Blick über die gesamte Stadt, von den Pentland Hills im Südwesten bis hin zum Firth of Forth im Nordosten. Nach einer zweistündigen Wanderung durch die hügelige, ehemalige Vulkanlandschaft des Holyrood Parks, schlenderte ich noch etwas entlang der Royal Mile und kehrte in einem typisch viktorianischen Teehaus, mit dem wohlklingenden Namen "Clerinda", ein. Dort gönnte ich mir eine Tasse aromatischen und wärmenden Earl Grey und ein Stückchen Schokoladenkuchen. Nach dieser Stärkung nahm ich den Bus Richtung Leith und besichtigte das Ocean Terminal, wo bekanntermaßen am 05. November die MTV European Music Awards 2003 stattfinden. Gegen Abend machte ich mich endlich auf meinen Heimweg, müde aber voller neuer Eindrücke fiel ich dann in mein Bett. Den Donnerstag kann man als normalen Schultag abhaken, so dass ich mich gleich dem Höhepunkt dieser Woche zuwenden möchte: Halloween, am Freitag, 31.10. Im Gegensatz zu Deutschland ist Halloween hier nicht nur ein Fest für Kinder und ein paar permanente Partymenschen. Hier laufen sehr viele Leute verkleidet durch die Nacht, vor allem Studenten. Es gibt eine Halloween-Parade entlang der Royal Mile und jedes Pub ist brechend voll und veranstaltet etwas Besonderes. Ich selber traf mich mit einigen anderen Assistants in der Innenstadt, passend zum Abend zog es uns in ein Pub namens "Jekyll & Hyde", was ja bekanntermaßen ein Roman von Robert L. Stevenson ist, der aus Edinburgh stammt. Es war eine perfekte Party. Den Samstag kann ich problemlos unter Hang-Over-Day ablegen, denn die meiste Zeit des Tages verbrachte ich schlafend in der horizontalen. Ob ich die liegende Position irgendwann verlassen habe, ob ich nach der Halloween-Nacht noch mehr wie ein Gespenst aussehe und ob ich endlich den Schotten etwas Deutsch beibringen kann, werdet ihr an dieser Stelle bald nachlesen können. Take care... |

