November 2003

    
01.11.- 08.11.03

Meinen Bericht fortsetzen möchte ich mit einer Korrektur des Berichts vom 01.11., denn es stimmt nicht ganz, dass ich diesen Tag komplett im Bett oder auf der Couch verbracht habe. Nach dem sich der Nebel der Helloween-Nacht aus meinem Kopf verflüchtigt hatte, nahm ich meine ganze Energie und wagte mich nach draussen.

Ja, ich habe meinen nachttrunkenen Körper den blendenden Strahlen der Sonne ausgesetzt. Zum Erstaunen aller bin ich weder sofort erblindet noch zu Asche zerfallen, so dass ich meinen Spaziergang in Richtung Royal Botanic Garden in Stockbridge fortsetzen konnte. Unglücklicherweise fährt samstags und sonntags, aus welchen Gründen auch immer, kein Bus in diese Richtung, so dass ich die 2,5 Meilen zu Fuss zurücklegen musste.

Auf dem Weg dorthin musste ich den Inverleith Park durchqueren, von diesem gibt es auch ein Bild in der Gallerie. Dummerweise musste ich nämlich danach feststellen, dass die Batterien meiner Digitalkamera leer waren und ich keine Ersatzbatterien eingesteckt hatte, trotzdem lief ich unbeirrt weiter in den Royal Botanic Garden, den ich dann durch das West Gate betrat.

Der Eingangbereich und auch die Karte erinnerte mich etwas an den Luisenpark in Mannheim. Alles in allem ist der Park sehr schön und man sieht ungefähr alle 5 Meter ein Eichhörnchen, besonders zu empfehlen sind die Gewächshäuser inklusive Palmenhaus und der Steingarten. Die Bilder werde ich bei einem meiner nächsten Besuche im R.B.Garden nachliefern.

Den Abend habe ich mal wieder in einem Pub verbracht. Der Sonntag war geprägt von morgendlichem Einkaufen bei Sainsbury's und einem Besuch unserer Vermieterin, die wir nach langem Zureden zur Anschaffung eines Wäschetrockners für unsere Wohnung überreden konnten. Zum Abendessen erwartete eine meiner Mitbewohnerinnen einige Gäste, so dass ich ihr bei den Vorbereitungen dafür half. An diesem Abend ist nichts aussergewöhnliches passiert.

Das besonders gute Wetter am Montag nutzte ich für einen Ausflug nach Portobello, dem Stadteil von Edinburgh, an dem der Strand liegt. Bilder davon gibt es schon in der Gallerie, wie man dort sehen kann, war ich so ziemlich die einzige Person dort, vielleicht ein Umstand der mit der Jahreszeit und dem Wochentag zusammenhängen könnte.

Am Dienstag hatte mich dann der Schulalltag wieder, es war wie immer nett und ich konnte mich weder über die Schüler noch das Wetter beschweren. Den Donnerstagabend habe ich dann standesgemäß mit der Evening News in der Hand in einem Pub verbacht, wo ich mir das Spiel im Uefa-Cup zwischen Bordeaux und den Hearts of Midlothian angeschaut habe.

Nach einem sehr ruhigen Freitagmorgen und einem noch ruhigeren Nachmittag, folgte ein noch aktionsloserer Abend. Dafür hatte der Samstag einen sehr frühen Start, denn ich wollte zusammen mit Thomas, einem anderen Assistant Teacher, mit dem Zug nach Stirling fahren. Das Wetter an diesem Tag sollte sich leider von seiner schottischen Seite zeigen, aber das konnte mich nicht von meinem Vorhaben abbringen, so dass wir um 9.33 Uhr im Zug nach Stirling sassen.

In Stirling angekommen, begaben wir uns erstmal auf den Weg in das örtliche Museum, in dem die Stadtgeschichte in chronologischer Reihenfolge und anhand etlicher Ausstellungsstücke dargestellt wird.

Stirling selber ist keine besonders grosse Stadt, wenn man so will, ist es ein sehr, sehr kleines Edinburgh, aber dafür ist die Stadtgeschichte umso reicher an wichtigen Ereignissen. Aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage, war Stirling permanent Schauplatz vieler Schlachten, zwei davon waren entscheidend für die Unabhängigkeit Schottlands von England, zum einen die Schlacht an der Stirling Bridge im Jahre 1297, in der William Wallace die zahlenmässig überlegenen Engländer besiegte und die Schlacht von Bannockburn in der Robert the Bruce im Jahre 1314 die Engländer endgültig besiegte und so die Unabhängigkeit erreichte.

Nach dem Museum ging es über den Valley Friedhof zum Stirling Castle, dass in meinen Augen nicht so imposant ist wie das Edinburgh Castle. Nach einem kurzen Streifzug durch die Old Town, vorbei am alten Gefängnis, begaben wir uns bei leichtem Nieselregen und starken Windböen auf den langen Marsch zum Wallace Monument. Je näher man dem Turm kommt, desto imposanter wirkt das ganze und man spürt, das hier ein wahrer Held Schottlands gehuldigt wird.

Wem William Wallace kein Begriff ist, der sollte sich einfach den Film Braveheart mit Mel Gibson anschauen, dieser ist geschichtlich zwar sehr ungenau, aber man lernt zumindest die Namen der wichtigen Personen der damaligen Zeit kennen.

Das Monument selber ist wirklich beeindruckend, als ich schnaufend nach 297 Stufen auf der Spitze in über 70 Meter Höhe angekommen war, bot sich mir ein sagenhafter Ausblick, getrübt durch das herbstliche Grau. Jeder der die Möglichkeit hat nach Stirling zu kommen, kann die Stadt getrost links liegen lassen, aber ein Besuch des Wallace Monuments muss einfach sein.

Als ich dann wieder unten angekommen war, ging es noch zu einem Abschlussbier in ein Pub und dann wieder mit dem Zug zurück nach Edinburgh.

Wie ich den folgenden Tag erlebt habe, ob das schottische Herbstwetter meinen Verbrauch an Taschentüchern erhöht hat und welcher Schüler mich besonders aufgeregt hat, könnt ihr in der kommenden Woche nachlesen. Bis denn, dann...


09.11. bis 15.11.

Am Sonntag nach meinem Ausflug nach Stirling habe ich erstmal lange geschlafen, denn es herrschte ein sehr trübes Wetter vor und da verpasst man nicht viel, wenn man im Bett liegen bleibt. Irgendwas trieb mich aber dann doch vor die Tür, es muss wohl die Lust auf einen Milchkaffee im Café Nero gewesen sein, verbunden mit dem Verlangen mit meiner Freundin zu chatten. Denn alle zwei Tage versuche ich abends ins Internetcafe zu gehen, um mit meiner Liebsten zu reden, vor allem ist es auch notwendig, um das Gefühl der Sehnsucht zu verringern und natürlich um die neusten Infos wegen der Homepage auszutauschen, schliesslich ist sie ja meine Webmasterin!

Bisher habe ich euch ja mit Berichten über meinen Schulalltag verschont, aber dies soll sich nun ändern. Sicher interessiert es euch was man als Fremdsprachenassistent an einer Schule in Schottland so erlebt und wie es überhaupt an einer schottischen Secondary School zugeht.

Montags habe ich normalerweise frei, da ich aber einiges an Material für die kommenden Unterrichtseinheiten zu sichten hatte und auch den dortigen Drucker und Kopierer nutzen wollte, begab ich mich um kurz vor 10 Uhr in Richtung Craigmount High School. Als Assistant muss man zwölf Unterrichtsstunden in der Woche abhalten, da ich nur an der Craigmount H.S. bin, habe ich dort alle zwölf Stunden und damit auch zwölf unterschiedliche Klassen, der Jahrgänge zwei bis sechs, wobei die Jahrgangsstufe Zwei der sechsten Klasse in Deutschland entspricht und Jahrgangsstufe Sechs dann der zehnten Klasse. Auf die einzelnen Unterschiede zwischen dem deutschen und schottischen Schulsystem möchte ich hier nicht eingehen, darüber kann man sich an anderer Stelle ausführlich informieren.

In der Regel hat man als Assistant nicht zu viel vorzubereiten, da man überwiegend in einen Dialog mit den Schülern treten und diese zum Sprechen animieren soll. Die Arbeit verläuft größtenteils in Kleingruppen, so dass man eine Klasse in zwei oder drei Gruppen von sechs bis zehn Schülern unterteilt und dann jeweils mit einer Gruppe zwanzig oder dreissig Minuten arbeitet. Ich muss sagen, dass mir diese Form des Unterrichts sehr viel Spaß macht und ich gerne mit den Schülern arbeite. Bisher hatte ich auch kaum Disziplinprobleme, so dass ich mich wirklich auf mein Unterrichtsthema konzentrieren konnte. Der Unterricht verläuft hier hauptsächlich thematisch gegliedert, z.B. behandelt der zweite Jahrgang das Thema "Schule", sie müssen ihre Schulfächer, Noten und Zeiten auf deutsch sagen können. In anderen Klassen werden dann die Themen etwas komplexer und man diskutiert dann schon eher in einem kontrovers, argumentativen Stil, wobei man immer noch eine sehr einfach deutsche Ausdrucksweise verwenden muss, denn das Niveau ist auch bei den besseren Klassen nicht sehr hoch.

Nach diesen einleitenden Worten zum Thema "Die Arbeit eines Assistants", möchte ich nun kurz die Erlebnisse meiner letzten Woche schildern. Am Dienstag habe ich in jeder Woche meinen anstrengendsten Tag, da ich dort sechs Schulstunden habe, vor allem am Nachmittag habe ich zwei Klassen, die manchmal sehr stressig sein können. Glücklicherweise müssen auch die Schüler in Schottland ab und zu einen Test schreiben, so dass ich an diesem Dienstag eine Stunde nur als Aufsicht verbracht habe. Mittwochs habe ich die Gruppe mit dem Advanced Higher Grade, d.h. einer Abschlussklasse im sechsten Jahrgang, mit denen habe ich über die Rolle und Position der Frau in der heutigen Gesellschaft diskutiert. Sehr interessant und gerade bei solchen Themen merkt man, dass die Schüler wirklich etwas lernen wollen und auch gerne mitarbeiten.

Der Donnerstag war sehr ruhig und ein schöner Anfang für mein bevorstehendes Wochenende. Die Schüler waren alle sehr nett und mit den vorbereiteten Materialien verliefen die Stunden ohne Probleme. Mein größtes Problem bisher, ist es die Namen aller Schüler zu lernen, denn bei zwölf unterschiedlichen Klassen kommt man insgesamt auf eine Zahl von 300 Schülern. Komischerweise fällt es mir leichter die Namen der frechen und lebhaften Schüler im Kopf zu behalten. Am Donnerstagnachmittag war dann die Arbeitswoche für mich schon wieder beendet, aber aufgrund des trüben Wetters habe ich am Freitag ausser einem längeren Spaziergang und einem kurzen Aufenthalt im Internetcafe nicht viel gemacht.

Nun habt ihr mal lesen können wie eine Arbeitswoche von mir an der Schule in der Regel aussieht, jetzt werde ich euch mal wieder an meinem gesellschaftlichen Leben teilhaben lassen, denn am Samstag habe ich für meinen Chef und seinem Bekannten, bei dem ich die ersten Tage gewohnt habe, ein Diner veranstaltet. Gekocht habe ich aus praktischen Gründen im Haus von Colin, dem Mann bei dem ich die erste Zeit hier in Edinburgh verbracht hatte.

Nachdem ich alle Zutaten für das Menü besorgt hatte, gönnte ich mir eine Ruhepause und verfolgte das EM-Endrunden Play-Off zwischen Schottland und den Niederlanden live im Radio. Was für ein tolles Spiel, die aufopferungsvoll kämpfenden Schotten erreichten einen knappen 1:0 Sieg. Torschütze für Schottland in der 22. Minute war James McFadden, der nun in einem Atemzug mit Archie Gemill (Torschütze gegen Holland 1978) genannt werden kann. Vielleicht gelingt Schottland ja die Sensation und sie erreichen ein Unentschieden am Mittwoch in Amsterdam.

Ok, nach diesem wundervollen Nachmittag machte ich mich dann auch gleich an die Zubereitung des Diners, als Vorspeise gab es eine Badische Zwiebelsuppe, einen bunten Herbstsalat und als Hauptgang Rinderrouladen mit einer Paprika, Frühlingszwiebeln und Schafskäse-Füllung, dazu schwäbische Spätzle. Mein Chef und Colin waren begeistert und auch mir hat das Menü hervorragend geschmeckt.

Den Nachhauseweg habe ich dann gegen 2.30 Uhr angetreten und bestieg den Nachtbus der Linie 37. Allein dies ist schon wieder ein Erlebnis der besonderen Art, denn nachts sind doch viele seltsame Menschen unterwegs.

Ob ich die seltsame Reise in einem Edinburgher Nachtbus unbeschadet überstanden habe und wie ein Sonntag in Schottland nach einem historischen Sieg über Holland so ist, könnt ihr in der kommenden Woche hier an dieser Stelle erfahren. Bis dahin wünsche ich allen weiterhin viel Spaß auf meiner Seite. Take care!


16.11. bis 21.11.

Wie ihr euch bestimmt schon gedacht habt, habe ich die verrückte Reise in einem rasenden Nachtbus mental und körperlich überlebt. Der Sonntag ging bei mir so gegen 10.45 Uhr los, nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf den Weg zu einer kulturell angehauchten Tour durch Edinburgh. Mein erstes Ziel war die Scottish National Gallery of Modern Art, dort kann man einige schöne Werke von Künstlern wie Francis Bacon, Matisse, Braque, Picasso, Dix, Koons und Andy Warhol sehen. Einige der modernen Werke haben mir gut gefallen, andere weniger.

Nachdem ich durch alle Ausstellungsräume gewandert war, begab ich mich auf die andere Strassenseite, um in die Dean Gallery einzutreten. Hier sind auch einige Werke moderner Künstler wie Paolozzi, Joan Miró, Margritte, Picasso und Dali vertreten. Auf jeden Fall ist ein Besuch in beiden Gallerien lohnenswert und vor allem kostenlos.

Mit diesen ganzen surrealen und kubistischen Eindrücken machte ich mich dann auf den Weg zum Water of Leith, dem Wasserlauf, der sich von den Pentland Hills quer durch Edinburgh bis zum Firth of Forth schlängelt. Der Water of Leith Walkway ist sehr gut ausgebaut und hat von der Dean Gallery bis zur Mündung in den Firth eine länge von ca. 5 Meilen. Bewaffnet mit meiner Digi-Cam machte ich mich also auf den Weg auch mal diese Seite der Stadt kennenzulernen und zu dokumentieren.

Und es war wirklich ein sehr schöner, wenn auch anstrengender Spaziergang, die ersten 1,5 Meilen ging es durch Dean Village, hier hatten sich im 19. Jahrhundert sehr viele Webereien und Mühlen angesiedelt, welche die Wasserkraft für ihr Handwerk nutzten. Weiter folgte ich dem Flusslauf nach Stockbridge, einem sehr schönen Ortsteil von Edinburgh, dann über Cannonmills nach Leith. Vom Ocean Terminal machte ich mich dann wieder auf den Weg zurück in die Stadt.

Meine neugesammelten Eindrücke wollte ich umgehend meiner Freundin mitteilen, so machte ich mich auf den Weg ins Internet-Café in der Rose Street. Nach wenigen Minuten wurde die Konversation mit meiner Freundin auf lautstarke Weise unterbrochen, denn plötzlich ging der Feueralarm los. Etwas verwundert bewegten sich die Besucher mehr gemütlich als panisch Richtung Ausgang, dort verharrten die meisten in Erwartung der anrückenden Feuerwehr. Zumindest brannte es nirgendwo, aber leider blieb das Café für diesen Abend geschlossen.

Da meine Mitbewohnerin Rubi am Montag Gäste erwartete, machten Rubi, Kirsty und ich uns daran, die Wohnung zum Glänzen zu bringen. Was uns auch fast gelang, der Abend war ein voller Erfolg und das Essen, das Rubi zubereitet hatte, war wie immer sehr lecker. Das Aufstehen an diesem Dienstag fiel mir etwas schwerer als sonst, ob das wohl an dem spanischen Rotwein vom Vorabend lag?

Am Mittwoch wollte ich mir am Abend einen gemütlichen Fussballabend machen, in der Hoffnung, dass Schottland in Amsterdam ein Unentschieden erreicht und uns die Holländer bei der EM im nächsten Jahr erspart bleiben. Leider wurde daraus nichts, es wurde das Waterloo des Berti Vogts, eine Demütigung, die ich hier nicht weiter ausführen möchte. Der Donnerstag war dann wieder ein sehr ruhiger Tag, am Abend telefonierte ich, wie fast jeden Tag, mit meiner Freundin, um die letzten Details bzgl. ihrer Ankunft am Samstag bei mir in Schottland abzuklären.

Freitags machte ich mich dann daran die Wohnung zu putzen und noch die letzten Dinge für das Wochenende einzukaufen. Meine Freude auf den Besuch meiner Freundin war riesig. Den Abend verbrachte ich vor dem Fernseher, dort schaute ich mir eine sehr seltsame Quizshow namens "Distraction" an, deren Sinn darin besteht, dass die Kandidaten während der Fragerunde durch seltsame, geradzu ekelerregende Dinge abgelenkt werden. Mit diesen Eindrücken begab ich mich ins Bett, damit ich am Samstag auch rechtzeitig wach wurde, um meine Freundin und ihre zwei Begleiter am Flughafen in Prestwick abzuholen.

Wie das Wochenende so gewesen ist und ob die Autobahn zwischen Edinburgh und Glasgow in einem einwandfreien Zustand ist, könnt ihr dann im Sonderbericht über das Wochenende nachlesen. Bis dahin....


22.11. bis 24.11.

Am Samstag wurde ich viel zu früh von meinem Wecker aus dem Bett geklingelt. Das Aufstehen fiel mir dennoch nicht zu schwer, denn ich sollte an diesem Tag ja endlich meinen Schatz wiedersehen. Nach einem kurzen Frühstück begab ich mich zu meinem Auto. Mit Schrecken musste ich feststellen, dass sich über Nacht eine dicke Eisschicht auf meinen Scheiben gebildet hat, die ich erstmal entfernen musste. Stunden später ging es dann aber los und ich fuhr auf der M8 Richtung Glasgow. Ich kam sehr zügig voran, und nach einem kleinen Umweg über ein paar schottische Dörfer entlang der A71, erreichte ich den Flughafen von Prestwick zehn Minuten vor elf.

Nach einer nervenaufreibenden Parkplatzsuche sprintete ich in die Eingangshalle und fast direkt in die Arme meiner Freundin, da diese und ihre Begleiter schon in Richtung Ausgang unterwegs waren. Vom Flughafen ging es dann direkt nach Stirling, dies sollte der Auftakt zu einem Sightseeing-Wochenende im Fast-Food-Stil sein. Dort angekommen gönnten wir uns erstmal eine Kleinigkeit zu essen. Danach, nach einem flotten Marsch durch die Altstadt, in Richtung Stirling Castle, ging es dann mit dem Auto zum Wallace Monument.

Martin und Andi waren vom Monument und der Aussicht total begeistert und meiner Freundin gefiel es natürlich auch sehr gut. Trotzdem spürten wir alle, dass wir langsam eine richtige Pause nötig hatten, denn am Abend wollten wir eine kleine Pub-Tour in Edinburgh machen. Mit Lichtgeschwindigkeit bzw. so schnell wie eben ein 13 Jahre alter Golf fahren kann, ging es nach Edinburgh. Dort ruhten wir uns alle erstmal zwei Stunden in meiner Wohnung aus. Um kurz vor 20 Uhr bestiegen wir dann frisch gestylt und voller Tatendrang den Bus in Richtung Stadtzentrum. Pünklich erreichten wir den Treffpunkt, die Bar in der Waverly Station, dort trafen wir uns mit Martin (bitte nicht durcheinander werden bei soviel Martins) , einem Lehrerkollegen an meiner Schule, und seiner Freundin Sinead. Nach einem Warm-up-Bierchen ging es dann zu einem sehr gemütlichen Pub namens "Jingling Jordie", in der Fleshmarket Close. Hier vervollständigte sich auch unsere illustre Gesellschaft, es traf noch eine Freundin der Begleiter meiner Freundin ein, die in Edinburgh im deutschen Generalkonsulat arbeitet. Dort konnten wir uns sehr gut unterhalten und ein paar leckere Pints schlürfen.

Nach dieser eher ruhigen Lokalität zog es uns dann zu einem etwas lebhafteren Ort. So suchten wir uns ein Pub, welches uns gute Atmosphäre und Live-Musik bot. Wir wurden nicht enttäuscht, die Stimmung war sehr lebhaft und allen hat der Abend sehr gut gefallen. Es ist schon toll, wenn ein ganzes Pub die Nationalhymne gröhlt. Die Verabschiedung an diesem Abend dauerte etwas länger, denn schließlich haben sich alle prima verstanden. Leider haben wir deshalb unseren Nachtbus um fünf Minuten verpasst, so dass wir den langen Weg vom Stadtzentrum zu mir zu Fuss gingen, wobei die Strecke das kleinere Übel war, denn es war in dieser Nacht sehr frostig und kalt. Total erledigt krochen wir in unsere Nachtlager.

Nach einer kurzen Nacht gab es dann am Sonntagmorgen, bei herrlichem Sonnenschein, erstmal ein ausgiebiges und gemütliches Frühstück. Dank diesem Energieschub ging es munter wieder los und zuerst wollten wir etwas Seeluft schnuppern, um unsere Köpfe vom Dunst der Nacht zu befreien. Deshalb fuhren wir mit dem Bus in die Innenstadt und vor dort aus weiter nach Portobello. Es war ein herrlicher sonniger Sonntagmittag, der Himmel war strahlendblau, die Bucht sehr ruhig und der Sandstrand voller Spaziergänger. Einfach ein wundervoller Start in den Tag. Von Portobello fuhren wir wieder zurück in die Stadt und wanderten dort auf den Calton Hill östlich der Princess Street.

Der Aufstieg war mehr oder weniger mühsam (Anmerkung der Redaktion: Flela weiß was mit mehr oder weniger müsahm gemeint ist), aber es sollte sich lohnen, denn die Aussicht war einfach fantastisch. Auf dem Calton Hill befinden sich auch noch einige Gebäude, so z.B. das alte Gefängnis, das alte Observatorium, das National Monument, ein Bauwerk, dass nie fertiggestellt wurde und das Nelson Monument, ein Turm, von dessen Mast täglich um 13 Uhr ein weisser Ball nach unten fällt. Neben dem täglichen Kanonschlag um 13 Uhr, ein weiteres Zeichen für Seeleute, um eine verlässliche Orientierung zu haben. Heutzutage nur noch ein Showeffekt, aber in vergangener Zeit bestimmt sehr nützlich.

Vom Calton Hill aus ging es dann in die Old Town und die Royal Mile entlang, unterwegs machten wir noch Halt in einem Imbiss, um ein paar HotDogs zu essen,dann ging es auch schon weiter zum Edinburgh Castle. Die Eindrücke schienen meine Besucher fast zu erschlagen.

Da wir auch eine Einladung zum Kaffee bei der Bekannten von Martin und Andi hatten, ging es am späten Nachmittag nach Stockbridge. Dort erwartete uns nach ein wenig suchen eine warme Wohnung, ein heisser Kaffee und ein sehr leckerer Kirschstreuselkuchen. Nicole erzählte von ihren vielen Reisen in der Welt und wie froh sie ist, jetzt mal in einem Nichtentwicklungsland zu sein. Frisch gestärkt und aufgewärmt ging es dann wieder am Abend in meine Wohnung, wo wir ein kleines Abendessen einnahmen und eine Flasche Wein auf den letzten Abend und die schöne Zeit, die meine Besucher und meine Freundin hier in Edinburgh hatten, tranken. Da wir am nächsten Morgen sehr früh aufstehen mussten, gingen einige schon recht früher andere trotzdem etwas später ins Bett.

Am Montagmorgen klopfte es dann genau eine Stunde vor der ausgemachten Weckzeit an meine Tür. Tja, da hatte wohl jemand vergessen, die Uhr an seinem Wecker auf britische Zeit umzustellen. Er hat es aber gleich gemerkt und so konnten wir noch ein Weilchen liegenbleiben. Eine Stunde später gab es dann ein letztes gemeinsames Frühstück und kurz darauf waren Michaela, meine Freundin, Martin und Andi mit ihrem Gepäck in meinem Auto und wir alle zusammen im herrlichen morgendlichen Berufsverkehr. Dennoch gelang es mir alle pünktlich in Prestwick am Flughafen abzuliefern, wir hatten sogar Zeit für einen kurzen Snack und eine Tasse Kaffee, aber dann mussten mich meine Freundin und die anderen, leider verlassen. Der Abschied war schon traurig, aber bald werde ich sie wiedersehen...

Falls ich die Baustellen auf der M8 von Glasgow nach Edinburgh endlich mal durchfahren haben sollte, werdet ihr auch den restlichen Montag sowie den Bericht der kommenden Woche hier bald nachlesen können.

Und immer schön links fahren...


24.11. bis 30.11.

Nach einigen kleineren Verzögerungen habe ich es tatsächlich geschafft, wieder zurück nach Edinburgh zu kommen. Die Fahrt war sehr einsam, aber das Radio leistete mir Gesellschaft und ich konnte auf ein fantastisches Wochenende mit meiner Freundin zurückblicken. In meiner Wohnung angekommen, musste ich erstmal das Geschirr vom Frühstück säubern und danach noch meine Klamotten in die Waschmaschine geben. Ja, wenn man in einer WG wohnt, dann ist es gar nicht so einfach die Waschmaschine oder den Trockner leer vorzufinden, da gehört etwas Glück und Kommunikation dazu. In meiner WG klappt das größtenteils recht gut. Den restlichen Montag habe ich dann eher ruhig verbracht und auf den Anruf meiner Freundin gewartet.

Am Dienstag ging es dann wieder bei Anbruch des Tageslichts an die Schule. Mit den Klassen der dritten Jahrgangsstufe habe ich in den vergangenen Wochen über das Thema Stadt, Land und Wohnung gesprochen und als eine Art Wiederholung hatte ich ein Spiel vorbereitet, bei dem die Schüler Fragen zu diesem Thema auf Deutsch beantworten mussten. Es war nach anfänglichen Schwierigkeiten in jeder Gruppe ein voller Erfolg und ich werde dieses Konzept beibehalten und immer die Wiederholung als Spiel gestalten, dass ist für die Schüler auf jeden Fall interessanter. Mit den Schülern des zweiten Jahrgangs wurde das Thema "Essen und Trinken" angefangen. aus diesem Grund habe ich Angebotsblätter deutscher Supermärkte und Euro-Spielgeld mitgenommen und dies dann im Unterrichtet verwendet. Das Material hat mir meine Freundin aus Deutschland mitgebracht, dafür war ich ihr sehr dankbar, denn die Kinder waren total fasziniert von den Angeboten.

Glücklicherweise war dann am Donnerstag schon wieder Wochenende für mich. Am Abend war ich noch kurz, wie fast täglich im Internet-Café und danach noch was trinken. Den Freitag habe ich wieder dazu genutzt ein paar Dinge in der Wohnung zu sortieren und mir zwei Filme auf unserem DVD-Spieler anzuschauen, die Rubi ausgeliehen hatte. Zum Nachmittagstee gab es "25 Hours" mit Edward Norton, ein sehr interessanter Film und als Abendprogramm "The Pianist". Nach dieser schweren Kost ging es dann früh ins Bett, da ich am Samstag nach Kirkcaldy fahren wollte, um Martin und seine Freundin Sinead zu besuchen.

Als ich am Samstag endlich mal mein Bett verlassen und die Augen geöffnet hatte, musste ich feststellen, dass es draussen schon wieder oder immer noch dunkel war, obwohl meine Uhr eindeutig 10 Uhr anzeigte. Es war also ein sehr trüber und verregneter Tag, dennoch freute ich mich auf ein echtes schottisches Wochenende und ich sollte nicht enttäuscht werden.

Gegen 12 Uhr machte ich mich auf den Weg in Richtung Norden, denn Kirkcaldy ist eine Kleinstadt, die an der Nordseite des Firth of Forth, direkt an der See liegt. Auf dem Weg dorthin musste ich also die Forth Road Bridge passieren, das interessante an der Brücke ist, dass man von Norden kommend, also in Richtung Edinburgh fahrend, keine Gebühr entrichten muss, doch wenn man aus südlicher Richtung kommend nach Norden fährt, eine Gebühr von 80 Pence zu entrichten ist. Nachdem ich dies erledigt hatte, setzte ich meine Reise durch bestes schottisches Regenwetter fort.

In Kirkcaldy angekommen, holte mich Martin am Hafen ab und wir machten uns auf den Weg einen Parkplatz zu finden, was nahezu ein Ding der Unmöglichkeit war, so dass ich schliesslich am Bahnhof parkte. Von dort ging es dann bei leichtem Regen zu Martins Wohnung, die im Stadtzentrum liegt und über einen sehr seltsamen Innenhof zu erreichen ist. Dort gab es erstmal eine warme Tasse Kaffee, kurze Zeit später holte uns ein Freund von Martin, Paddy, ab und wir machten uns auf den Weg zum Fussballstadion von Kirkcaldy.

Die Begegnung lautete Raith Rovers vs. St. Johnston. Die Raith Rovers spielen in der 1st Division, entspricht der zweiten Liga in Deutschland. Vor ein paar Jahren haben sie in der ersten Runde des Uefa-Cups gegen Bayern München gespielt, dass ist aber schon 8 Jahre her. Ach ja, falls man in Großbritannien beim Fussball ein Bier sucht, dann ist die Suche vergebens, denn Alkohol wurde in den Achtzigern aus den Stadien verbannt, genauso wie Zäune und Stehplätze. So gönnte ich mir, nach echt schottischer Art und Weise einen Becher Bovril, dass ist ein Getränk ähnlich wie Boullion, jedoch viel kräftiger, und dazu einen Pie gefüllt mit Hackfleisch, der von Fett nur so triefte.

Es waren so ungefähr 2000 Leute im Stadion, davon ca. 400 Anhänger von St. Johnston. Das Spiel war alles in allem besser als erwartet, trotz des nahezu unbespielbaren Rasens, leider verlief die erste Halbzeit sehr unglücklich für die Rovers und so lagen sie zur Pause schon mit zwei Toren zurück. Die zweite Halbzeit fing ausgeglichener an und die Rovers kamen, durch ein sehr kurioses Tor, sogar zum Anschlusstreffer. Leider vergaben sie danach noch weitere Chancen und die Gegner nutzten ihre eiskalt aus, der Endstand lautete somit, 1 zu 4. Nach dieser Enttäuschung ging es zurück zu Martins Wohnung, dort angekommen erwartete uns seine Freundin, die jetzt auch von der Arbeit zurück war. Martin und ich gingen erstmal was zu Essen und Trinken kaufen, d.h. Bier und Burger. Nach dieser ungesunden, aber sättigenden Mahlzeit und der Sendung Pop-Idol, holte uns Paddy ab. Zusammen starteten wir den Streifzug durch Kirkcaldy's Nachtszene.

Der Anfang machte ein sehr ruhiges und gemütliches Pub am Hafen, dort gab es sogar deutsches Bier, Weihenstephaner Hefeweizen. Aber es gab dort auch das schrecklichste Bier, ein Ale, dass ich jemals getrunken habe, Fire of Fife, einfach nur grausam. Dazu gönnten wir uns noch eine Tüte Crisps mit Haggis-Geschmack. Danach zog es uns in die nächste Bar, wo ich den besten Cider jemals, getrunken habe. Wirklich zu empfehlen, viel sanfter und voller im Geschmack als Strongbow oder andere industriell gefertigten Cider. Nach zwei weiteren Pubs und etlichen Pints machten wir uns kurz nach eins auf den Heimweg.

Der Morgen war doch sehr anstrengend, dennoch schaffte ich es rechtzeitig zur Auslosung der Gruppen für die Euro 2004 in Portugal wach zu werden. Ich hätte lieber weiterschlafen sollen, denn Deutschland bekam die lieben Holländer zugelost. Nach diesem Schock musste ich erstmal was essen. Glücklicherweise ist direkt im Haus von Martin ein Pie-Shop, der sonntags geöffnet hat. Zum Frühstück gab es also, einen Steak Pie und Stovis, das ist Kartoffelpüree gemischt mit Zwiebeln und Dörrfleisch. Es war schrecklich, der Pie war ok, aber das Stovis war dann doch nichts für mich, zumindest nicht zum Frühstück nach so einer Nacht.

Da der Tag für schottische Verhältnisse sehr sonnig war, gönnten wir uns einen Spaziergang entlang der Strandpromenade. Dies war sehr gut, denn die frische Seeluft reinigte den Kopf und die Bewegung half meinem Kreislauf auf die Beine. Nach einer kleinen Shopping-Tour durch die Fussgängerzone, machte ich mich auf den Heimweg nach Edinburgh. Das Wochenende war wirklich toll, vor allem mal ganz abseits jeglicher Touristenattraktion. Mal sehen wann ich wieder die Gelegenheit dazu haben werde, die Raith Rovers spielen zu sehen.

Zurück in Edinburgh wollte ich mich eigentlich ausruhen, doch daraus wurde nichts, denn meine brasilianische Mitbewohnerin hatte zwei Freundinnen zum Diner eingeladen. Mir war es zwar ganz recht, dass ich so was ordentliches zu essen bekommen sollte, aber dafür kam ich später als geplant in mein Bett.

Ob ich dennoch am Montag rechtzeitig wach geworden bin und ich wieder auf die schottischen Schüler losgelassen wurde, könnt ihr auch in der nächsten Woche nachlesen, wenn wieder die schönsten Plätze Schottlands an dieser Stelle vorgestellt werden. Bis dahin eine angenehme erste Adventwoche.



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