| März 2004 |
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01.03.- 07.03.04
Natürlich konnte ich nicht länger als 9 Uhr schlafen, war also nix mit träumen bis Ostern. Aber das zeitige Aufstehen hatte auch sein Gutes, denn es stand einiges auf meinem Tagesplan. Bevor ich überhaupt an duschen und frühstücken denken konnte, richtete ich meine Dreckwäsche und packte schon mal die erste Ladung in die Waschmaschine, danach ging es schnell unter die Dusche und danach ein kleines, stärkendes Frühstück. Die erste Maschine war gerade fertig, so dass ich die nasse Kleidung in den Trockner und die zweite Ladung in die Maschine stecken konnte. Als dies erledigt war, fuhr ich zum Supermarkt, um das heimische Vorratslager aufzufüllen. Kaum war ich vom Einkauf zurück ging die Hausarbeit weiter, so musste die Wohnung mal gründlich gesaugt werden. Zwischendurch hatte ich gerade mal Zeit für eine Tasse Tee. Um kurz vor 18 Uhr machte ich mich dann auf den Weg zur Bushaltestelle, um in die Innenstadt zu fahren. Leider wartete ich vergebens auf die 41 um 18 Uhr, so dass ich schon befürchtete zu spät an der Waverly Station anzukommen. Doch mit dem nächsten Bus raste ich geradezu in die Stadt und die letzten Meter von der Hanover Street zur Waverly Station legte ich im Laufschritt zurück und ich kam pünktlich am Gleis an, denn dort stieg Patrick gerade aus dem Zug aus Glasgow kommend aus. Er war schwer bepackt, denn schliesslich blieb er eine Woche auf den britischen Inseln. Nach einer kurzen Begrüssung machten wir uns auf den Weg zu meiner Wohnung. Dort richteten wir uns ein paar Sandwichs als Abendessen, machten uns frisch und verliessen dann mein Heim, um in der Stadt ein Begrüßungs-Pint zu trinken. Dies gönnten wir uns im Jekyll&Hyde. Nach einer Runde John Smith Extra Smooth ging es dann um 23 Uhr nach Hause, denn am nächsten Tag musste ich arbeiten und Patrick wollte sich in aller Ruhe Edinburgh anschauen. Am Dienstag musste ich wie gewöhnlich um kurz nach halbsieben aufstehen. Nach einem schnellen Frühstück begab ich mich an die Schule, dort verlief der Tag recht ereignislos, da ich in einer Klasse nur Aufsicht während einer Klassenarbeit hatte, die Klassen der vierten Jahrgangsstufe beim Berufspraktikum waren und der Rest ausnahmsweise eher gelangweilt als lebhaft war. Zuhause angekommen passte ich Patrick auf seinem Weg aus der Stadt zu meiner Wohnung ab. Er hatte sich beide Hügel der Stadt vorgenommen und war zunächst auf den Arthur’s Seat gestiegen und danach noch auf den Calton Hill. Dies ist eine beträchtliche Leistung, aber dafür wurde er ja auch jeweils mit einer wunderbaren Aussicht belohnt. Nach einer kurzen Ruhepause, kochten wir uns gemeinsam ein leckeres Abendessen. Nach dem Aufräumen fühlten wir uns immer noch so gesättigt, dass wir uns zu einem ausgedehnten Spaziergang durch die Nacht entschieden. Von meiner Wohnung ging es durch Ravelston, über Murrayfield nach Haymarket. Und dort schauten wir kurz in einem Pub vorbei und stillten unseren Durst nach dem langen Spaziergang mit einem kühlen Bier. Danach liefen wir einen anderen Weg nach Hause, um sehr müde, aber durch den Spaziergang erfrischt zuhause anzukommen. Mittwochs konnte ich glücklicherweise etwas länger schlafen, aber dennoch musste ich um 10 Uhr an die Schule. Leider war das Wetter an diesem Tag eher trüb und regnerisch. Dies tat meiner guten Laune keinen Abbruch, in der ersten Stunde versuchte ich den Advanced Higher Students das Recycling-System in Deutschland insgesamt und das Dosenpfand im speziellen zu erklären. Ob es mir gelang kann ich nicht sagen, aber ich konnte nach der Stunde schon einige Fragezeichen auf den Gesichtern meiner Schüler erkennen. Nach der Schule ging ich dann schnell einkaufen, denn ich wollte am Abend für Patrick und mich gefüllte Champignons machen. Diese bekam ich auch, so dass ich zuhause nur auf Patrick warten musste, der den Tag nutzte, um die Museen Edinburghs zu erkunden. Das Essen war sehr lecker und Patrick war von dem Rezept begeistert. Nach dem Aufräumen ging es dann mit der guten, alten 41 in Richtung Innenstadt, denn wir wollten uns um 20 Uhr mit Nicole am Scott’s Monument treffen. Wir verbrachten einen sehr amüsanten Abend im Guilford Arms, gegen 22.30 Uhr verliessen wir das Lokal. Um kurz vor 23 Uhr enterten wir dann das Jekyll&Hyde, denn wir wollten pünktlich nach Mitteleuropäischer Zeit auf Patrick’s Geburtstag anstossen. Als dies erledigt war und wir aufgrund unseres leisen, aber dennoch zu dieser Zeit ungewöhnlichen Geburtstagsständchens, von den anderen Gästen seltsam amüsiert angeschut wurden, machten wir uns auf den Heimweg. Am Donnerstag riss mich dann das nervenzerreissende Geräusch meines Weckers aus den nebligen Träumen. Schlaftrunken begab ich mich unter die Dusche. Danach frühstückte ich zusammen mit Patrick, der mich an diesem Tag an meine Schule begleiten wollte. In der ersten Schulstunde redete ich mit meinen Schülern über Sternzeichen und wie sie auf deutsch heißen. Patrick war sehr amüsiert und interessiert. In der dritten Stunde redete ich dann mit meiner Klasse über Schottland als Reiseland, davon war die ganze Klasse sehr angetan. Und diese Stunde war auch für mich sehr gut. Zuhause ging es dann ans Tasche packen, Proviant richten und das Auto beladen. Um kurz vor 15 Uhr ging es dann zum Edinburgh Airport. Dort gaben wir unsere Sachen auf und gönnten uns einen Kaffee in der Lounge. Pünktlich um kurz vor 17 Uhr hob dann unser Flieger von Edinburgh nach Dublin ab. Eine Stunde später waren wir dann in der irischen Hauptstadt gelandet. Nach einer kleinen Odyssee mit Bus und zu Fuß vom Flughafen zu unserem Hostel checkten wir dort ein und begaben uns in unseren Schlafraum. Wir hatten einen Gemeinschaftsschlafraum mit zehn Betten, doch die anderen Assistants aus Leeds sollten erst viel später ankommen. Die Wartezeit verbrachten Patrick und ich in einem nahe gelegenen Pub namens O’Sheas. Dort gab es Guinness und irische Livemusik und dazu tanzten einige Leute Ceiligh. Es war ganz nett, auch wenn nach einer Stunde die Musik, aufgrund ihrer Eintönigkeit auf die Ohren geht. Leider kamen die anderen erst um 22 Uhr im Hostel an, so dass es doch ein sehr langes Warten auf Leeds war. Als dann die lustige Reisegruppe aus England endlich erfrischt und gesättigt bereit für den ersten Abend war, gab es zunächst ein Ständchen für Patrick. Danach suchten wir dann eine Bar auf, die etwas länger geöffnet hatte und wo wir dann ein Begrüßungs- und zugleich Gute-Nacht-Guinness tranken. Gegen 2 Uhr schliefen dann auch alle tief und fest. Freitag standen wir dann alle recht früh auf, zum einen, da wir etwas von Dublin sehen wollten, zum anderen weil wir in Etappen duschen mussten. Als alle geduscht und gefrühstückt hatten, gingen wir gemeinsam zur Touristeninformation. Danach trennten sich unsere Wege und Rafael, Patrick und meine Wenigkeit gingen auf eigene Faust los, um Dublin zu erkunden. Als erstes Ziel steuerten wir die St. Patricks Kathedrale an. Die St. Patricks Cathedral wurde 1192 zu Ehren des irischen Nationalheiligen erbaut. Der Legende nach soll St. Patrick das Christentum nach Irland gebracht und die Insel von den Schlangen befreit haben. Nach Besichtigung der Kathedrale von Patricks Namensvetter ging es weiter zur Christ Church, einer der ältesten Kirchen Dublins, die im Jahre 1030 AD erbaut wurde. Vom Hunger getrieben machten wir uns dann wieder auf den Weg Richtung Einkaufsviertel. Nach längerem Umherstreifen durch Dublin beschlossen wir einen Pub aufzusuchen, doch leider fanden wir keine Lokalität in der es gutes und billiges Pub-Food gab. Aber in einem Schnellimbiss wurden Patrick und ich fündig und aßen ein French Baguette mit Spicy Chicken-Füllung zum Preis für eines. Danach ging es dann ausgeruht zur Guinness Brauerei. Dort trafen wir dann den Rest der Gruppe und nachdem wir den Obolus in Höhe von neun Euro am Eingang entrichtet hatten, konnten wir die geheimnisvolle Welt des schwarzen Golds Dublins betreten. Die Eingangshalle wirkt noch nicht besonders beeindruckend, sicher ist die ganze Ausstellung sehr durchdacht und für jemanden der noch nie eine Brauerei von Innen gesehen auch sehr informativ und interessant. Ich selber fand einige Dinge zu dick aufgetragen, besonders die Geschichte von Arthur Guinness, auch wenn sie interessant ist. Mir persönlich hat die Abteilung der verschiedenen Guinness-Werbeartikel am besten gefallen. Nachdem man die Ausstellung durchlaufen hat, kann man dann in der Turmbar sein Frei-Guinness abholen. Dort oben war es sehr voll, aber man wirklich einen wunderbaren Blick über Dublin. Gerade an so einem sonnigen Tag wie dieser Freitag, war es sehr schön und entschädigte für einige Enttäuschungen während der Ausstellung. Nachdem wir dann dort oben unsere Biere getrunken hatten und Antje sogar noch ein zweites geschenkt bekam, ging es dann wieder gemeinsam in Richtung Hostel. Dort angekommen, ruhten wir uns nur kurz aus, machten uns fertig für das Dubliner Nachtleben und auf den Weg, um ein Restaurant zu suchen, in dem wir alle Platz zum Speisen fanden. Bei einem Italiener in der Nähe des Hostels wurden wir fündig. Dort gönnte ich mir eine Pizza Peperoni, einen Salat und ein Wasser. Danach stürzten wir uns dann in das turbulente Nachtleben in der Dubliner Temple Bar. Den Anfang machte ein kleines Pub mit dem Namen Quay Bar. Dort hatten wir sogar Platz zum Sitzen. Danach schlenderten wir weiter auf der Suche nach einer guten Location durch die lebhaften Gassen Dublins und aufgrund der lauten Musik, die aus einer Bar kam, gingen wir hinein, um nur ein Pint später das Weite zu suchen, denn nach nur zwei hörbaren Liedern wurde es grauenvoll, geradezu erschreckend laut und schlecht. Im Auld Dubliner fanden wir dann eine Bleibe, die uns entgegenkam, nette Musik, gute Stimmung und einen separaten Platz im hinteren Eck der Bar. Wir hatten alle unseren Spaß, doch zu vorgerückter Stunde verließen dann den einen oder anderen die Kräfte. Die Spanier hatten sich schon früher verzogen, auf der Suche nach einer Bar mit Live-Musik, der Rest der Bande ging dann ins Hostel, so dass Rafael, Patrick und ich, den Spaniern ins Porter House folgten. Dort war es brechend voll, aber im mittleren Stockwerk fanden wir noch eine Nische in der wir Platz für unsere Jacken fanden und wo wir unser Bier trinken konnten. Im Porter House gab es kein Guinness, die führen nur eigene Hausmarken, was aber auch nicht so schlecht war. Eigentlich sogar sehr lecker und die Musik war auch sehr gut, so dass wir alle einen sehr netten und ausgelassenen Abend hatten. Kurz vor zwei Uhr morgens war dann Schluss und wir auch müde und mit Guinness und anderem Bier gefüllt. Es war eine seelige Nachtruhe, unterbrochen wurde mein Schlaf erst am nächsten Morgen als der Druck in meiner Blase stieg und ich dringend das Loo aufsuchen musste. Am Morgen mussten wir dann wieder in Etappen duschen, danach unsere Sachen packen und um 10.30 Uhr das Zimmer verlassen. Nachdem wir dann unser Gepäck im Baggage Room des Hostels gelassen hatten, ging es noch mal in die Stadt. Zusammen mit Patrick und Rafael besichtigte ich das Trinity College von Dublin, das über eine eindrucksvolle Bibliothek verfügt und mit dem Book of Kells über eine der ältesten und eindrucksvollsten Abschriften der Evangelien ausgestattest ist. Man erfährt hier alles über die Geschichte des Buches und des Lebens der frühen Mönche. Das Buch wurde von Mönchen auf der schottischen Insel Iona geschrieben, aber in den Zeiten der Cromwellschen Unruhen aus Sicherheit nach Dublin gebracht. Nun hatten wir unseren Wissensdurst gestillt, jetzt galt es den aufkommenden Hunger zu stillen. Aus Kostengründen suchten wir wieder die günstige Snack-Bar des Vortags auf. Gesättigt liefen wir dann bei herrlichem Wetter durch Dublin. Unterwegs machten wir noch Halt in einem netten Pub, dort saßen wir an einem kleinen Tisch nahe des Fensters, so dass Rafael dem Treiben auf der Strasse zuschauen konnte. Plötzlich rief er, dass ein BMW ohne Fahrer vorbei rollen würde. Wir glaubten ihm zunächst nicht, und schoben dies auf den erhöhten Alkoholkonsum der vergangenen 48 Stunden. Doch es war tatsächlich, glücklicherweise kam der Wagen am Bordstein zum Halten, denn sonst hätte schlimmeres passieren können. Da hatte wohl jemand vergessen den Gang einzulegen und/oder die Handbremse zu ziehen. Wir entschieden uns auf der Hafenpromenade entlang zu spazieren, dort kann man wirklich sehen, wohin das Geld fliesst, das Irland von der Europäischen Union bekommt. Ein großer Neubau nach dem anderen. Zum Abschluß tranken wir dann noch ein Halfpint Guinness im O’Sheas, bevor wir gemeinsam mit dem Bus in Richtung Flughafen aufbrachen. Dort verabschiedeten wir uns von den Engländern aus Leeds, Patrick und ich tranken dann noch einen Kaffee mit einem Muffin und schlenderten durch die Hallen des Flughafens bis wir endlich zu unserem Gate konnten. Der Heimflug war sehr seltsam, denn wir erreichten Edinburgh zwanzig Minuten früher als eigentlich gedacht. So dass, das Bodenpersonal noch nicht bereit war und wir im Flugzeug warten mussten, danach ging alles sehr flott und Patrick und ich waren schon 30 Minuten nach der Landung in meiner Wohnung. Dort legten wir die Taschen ab, erfrischten uns kurz und machten uns dann auf den Weg in die Innenstadt. Dort aßen wir in einem Take Away einen Burger und Chips. So gestärkt ging es dann in den Scotsman, das erste Set der Band hatten wir zwar verpasst, aber es sollten noch zwei Stunden unglaublich guter Stimmung und Musik folgen. Es war wirklich brechend voll und die Stimmung war noch ausgelassener als sonst, da Irland gegen England im Rugby gewonnen hat. Und wie heisst es so schön, der Feind meines Feindes ist mein Freund! Als um kurz nach Mitternacht dann die Band fertig war, ging auch für Patrick und mich ein wundervolles Wochenende mit einem tollen Finish zu ende. Nun mussten wir nur noch den Nightbus nach Hause nehmen, doch obwohl wir pünktlich an der Haltestelle waren, kam kein Bus, so dass wir uns zu Fuß auf den langen und kalten Weg durch die Nacht machten. Wir waren dabei aber nicht allein und scheinbar schien sich heute jeder zweite, erwachsene Bewohner Edinburghs um den Verstand getrunken zu haben. So viele betrunkene Schotten hatte ich vorher noch nie an einem Wochenende gesehen. Zu guter letzt kamen wir aber wohlauf in meiner Wohnung an und schliefen auch recht schnell ein. Am Sonntag konnten wir Gott sei dank ausschlafen. Nach einer ausgiebigen Dusche, packte Patrick seine Sachen und wir machten uns auf den Weg zum Sainsbury’s da wir im dortigen Restaurant frühstücken wollten. Gestärkt ging es dann am Mittag nach Prestwick, von wo aus Patrick nach Hahn fliegen sollte. Auf der Fahrt hörten wir im Radio Fussball und unterhielten uns über dies und jenes. In Prestwick angekommen, verabschiedete ich mich nach einem Kaffee von Patrick und begab mich auf die bekannte Reise zurück nach Edinburgh. Dort angekommen, fiel ich müde auf mein Bett, am Abend telefonierte ich dann zum ersten Mal seit fünf Tagen mit Michaela und war sehr froh ihre Stimme zu hören. Doch ich musste dann dem anstrengenden Wochenende Tribut zollen und schlief recht schnell ein. Ob ich rechtzeitig zum nächsten Schultag aufwachen würde und was sonst noch so passiert, könnt ihr wie immer hier nachlesen. See you, Alex 08.03. bis 14.03. Widererwarten erwachte ich sogar schon einen Tag vor meinem nächsten Arbeitstag. Montagmorgen, ein Tag, an dem ich mal wieder einiges zu tun hatte. Zum einen hatte sich im Laufe der vergangenen Woche ein hoher Wäscheberg angesammelt, der von mir abgearbeitet werden wollte, zum anderen war ich in dieser Woche mit dem Putzen des Badezimmers an der Reihe. Nach einem kurzen Frühstück stopfte ich auch schon die erste Ladung Dreckwäsche in die Maschine. Danach ging es wie so oft an einem Montag zum Supermarkt, um meinen Vorratsschrank aufzufüllen. Nach dem Einkauf und einer Tasse Tee stand als nächstes die Reinigung des Badezimmers auf meinem imaginären Zettel. So schnappte ich mir das notwendige Putzzeug und vollzog eine Grundreinigung des Badezimmers, so dass es danach schon fast klinisch rein war. Nun hatte ich den ganzen Tag so viele Dinge erledigt, dass ich den restlichen Nachmittag zum Ausruhen und Lesen nutzte. Am Abend kochte Ruby Spaghetti und Tomaten mit Mozarella als Vorspeise, da Dagmar ihre Freundin zu Besuch kam. Das Abendessen war sehr lecker und wir unterhielten uns ganz nett über verschiedene Dinge. Als Dagmar dann gegangen war, begab ich mich in mein Schlafgemach, um auch dort bald einzupennen. Wie immer fing am Dienstag meine Arbeitswoche an, so dass ich zu unchristlicher Zeit, nach der Morgentoilette und einem kleinen Frühstück, das Haus verließ. In der Schule ereignete sich nicht besonders viel, mit den höheren Klassen fing ich die Examensvorbereitung an, da Ende des Monats die mündlichen Prüfungen für die fünften Jahrgänge anstehen. Nach der Schule ging es dann nach Hause, dort bereitete ich mein Essen vor und um kurz vor sieben Uhr abends war ich dann online, um pünktlich im Schottenchat zu sein. Dieser war wie immer sehr unterhaltsam. Danach telefonierte ich noch kurz mit meinem Schatz im fernen Saarland, um dann mit süßen Träumen einzuschlafen. Der Mittwoch ist ja mein Lieblingstag an der Schule, da ich erst um 10 Uhr dort sein muss und so einen gemütlichen Vormittag habe. An der Schule selber ging alles seinen gewohnten Gang. Zuhause angekommen musste ich zunächst einen ganzen Berg Wäsche bügeln, bevor ich mich um andere Dinge kümmern konnte. Am Abend verfolgte ich dann das Spiel der Bayern in Madrid übers Internet. Flela mein Schatz schloss ihr Mikro an den Fernseher an, so dass ich über meine Kopfhörer den Livekommentar hören konnte. Leider verloren die Bayern das Spiel. Ich schreibe „leider“, da es für den deutschen Fußball gut gewesen wäre, wenn zumindest ein Team in Europa überlebt hätte und nicht weil ich Bayern-Anhänger bin. Nach diesem enttäuschenden Spiel versuchte ich dann früh einzuschlafen, da ich am nächsten Morgen wieder früh zur Schule aufstehen musste. Mit dem Donnerstag startete der letzte Arbeitstag in dieser Woche. Mit dem Wochenende vor Augen arbeitete es sich einfach leichter, so dass ich kaum in der Schule angekommen auch schon wieder auf dem Heimweg war. Dort gönnte ich mir eine Tasse Tee, bevor ich dann in die Stadt ging, um ein Geburtstagsgeschenk für Kirsty, meine kanadische Mitbewohnerin zu besorgen. Leider hatte ich keinen besonderen Einfall, so dass ich ihr schließlich ein Wörterbuch Schottisch-Englisch/ Englisch-Schottisch und eine handgemachte Seife kaufte. Zuhause gab es dann für sie eine kleine Feier, obwohl sie erst am Samstag Geburtstag hatte, diesen aber mit einer Freundin in London verbringen wollte. Danach schaute ich mir dann das Uefa-Cup-Spiel Celtic Glasgow vs. Barcelona an. Es war ein spannendes Spiel mit Celtic als glücklichem Sieger. Danach telefonierte ich noch mit meiner Flela, bevor ich mich müde ins Bett legte. An diesem Freitag konnte ich so richtig ausschlafen, da ich absolut nichts geplant hatte. So stand ich erst um kurz nach 10 Uhr auf, frühstückte äußerst lang und ausgiebig, hörte Radio und fühlte mich einfach pudelwohl. Am Nachmittag las ich dann in meinem Reiseführer, denn so langsam muss ich ja auch den Sommerurlaub hier in Schottland planen und die Route für die Rundreise festlegen. Danach gab es erstmal was zu essen und am Abend schaute ich dann noch etwas fern. Für den Samstag war mal wieder ein Besuch in Kirkcaldy geplant. Nach einer ruhigen Nacht stand ich um neun Uhr auf, richtete meine Tasche und fuhr dann um kurz vor 12 Uhr in Richtung Forth Bridge. Die Fahrt nach Kirkcaldy verlief ohne besondere Vorkommnisse, so dass ich pünktlich um 13 Uhr vor Martins Wohnungstür stand. Wir hielten uns auch gar nicht lange in seiner Bude auf, sondern machten uns auf den Weg zum Stadion der Raith Rovers. Heute stand ein sehr wichtiges Spiel gegen einen Konkurrenten im Abstiegskampf auf dem Spielplan. Vor dem Stadion trafen wir noch Martins Vater und zwei seiner Neffen. Ich kaufte mir noch vor dem Spiel ein T-Shirt der Rovers, da dies nun schon mein viertes Spiel war und ich auch eine Erinnerung an die Spiele haben wollte. Vor dem Block holte ich mir wie immer einen Pie und Bovril und begab mich dann zu den anderen auf die Tribüne. Es herrschte ein erstaunlich gutes Wetter. Die Mannschaften liefen pünktlich um kurz vor 15 Uhr auf den Platz. Die Partie ging stürmisch los und dem Gegner Ayr United gelang in der 12. Minute das Tor. Von da an wurden die Angriffe der Rovers immer stürmischer, doch zählbares sprang dabei nicht heraus. Schließlich musste ein Elfmeter für den Ausgleich sorgen. Mit dem Unentschieden ging es in die Pause. Nach Wiederanpfiff wollten die Rovers unbedingt den Sieg und erspielten sich Chance um Chance, doch es dauerte wieder bis zur 59. Minute ehe Ramon Perreira den Siegtreffer erzielte. Glücklich über diesen Sieg gingen Martin und ich über die Küstenpromenade nach Hause. Doch unterwegs bekamen wir Hunger und holten uns in einem Dönerladen in der Nähe des Hafens einen Kebab. Zuhause aßen wir dann Döner und tranken Wasser. Ich muss sagen, dass dies der bisher beste Döner war, den ich in Großbritannien gegessen habe, natürlich kann er nicht mit einem in Deutschland verkauften Döner mithalten, aber er war ganz in Ordnung. So gestärkt ging es dann nach ein paar Runden Fußball auf der Playstation zur ersten Bar. Den Anfang machte Bar Itza, eine durchgestylte Bar, sehr modern, aber wenig Flair. Von dort ging es dann zu einem kleinen Pub namens „The Wheat Sheaf Inn“. Über das Pub „The Port Brae“ gings dann zum Café Continental. Dort war es sehr voll, aber die Atmosphäre war ganz gut und nach den ersten drei kleinen Flaschen Miller, schmeckte auch hier die vierte. Nun wollte Martin mir noch einen Pub zeigen, den er in seiner Jugend öfter besucht hatte. „The Windsor“ war der wohlklingende Name dieses Etablissements und es war gar nicht so schlecht. Zu vorgerückter Stunde mussten wir nun ein Lokal finden, dass etwas länger geöffnet hatte, am Kitty’s hatten wir leider Pech, denn es standen schon ungefähr fünfzig Menschen vor dem Eingang um reingelassen zu werden, so gingen wir einfach weiter in das „Thunderstorm“, einer Bar, die amerikanisch eingerichtet ist, aber einfach ziemlich gut. Dort traf dann auch Sinead auf uns. Gemeinsam blieben wir dann dort, bis zur „last order“ gerufen wurde. Um kurz vor zwei Uhr kamen wir dann wieder in Martins Wohnung an. Trotz einer nicht zu verschweigenden Müdigkeit zockten wir noch etwa zwei Stunden lang Fußball, bevor wir dann aber endgültig mit unseren Kräften am Ende waren und einfach nur schlafen wollten. Am nächsten Morgen wachte ich so gegen 11 Uhr auf und konnte erleichtert feststellen, dass ich keinen Kater hatte. Ich schaute etwas fern und wartete darauf, dass Martin aufwachte, doch der war ziemlich verkatert, so dass Sinead mir etwas zum Frühstück richtete und ich dann zusammen mit ihr das schottische Pokalfinale zwischen den Hibs und dem FC Livingston anschaute. Leider verloren die Hibs dieses große Spiel, dementsprechend enttäuscht machte ich mich auf den Heimweg von Kirkcaldy nach Edinburgh. Zuhause angekommen schob ich mir am Abend eine Pizza in den Ofen, telefonierte mit Flela und ging dann früh schlafen. Ob ich am nächsten Morgen von Sonnestrahlen geweckt werden sollte oder doch eher vom Regen, der gegen mein Fenster trommelt, könnt ihr auch Mitte nächster Woche hier nachlesen. Tschüß, Alex 15.03.- 21.03.04 Das Trommeln des Regens an meiner Fensterscheibe war dann leider der Grund für das Ende meiner Nachtruhe. Somit war es ein trüber Tag und nicht der erhoffte Sonnenschein, der die mittlere Märzwoche für mich einläutete. Mühsam quälte ich mich aus meinem warmen Federbett und stellte mich den Grauen einer kalten Dusche und eines unangenehmen Tages. Nachdem ich die Dusche überlebt und meine Schlafkleidung gegen etwas besser geeignetes getauscht hatte, ging es an den Frühstückstisch. Nach Einnahme der obligatorischen Scheiben Toast, dem Glas O-Saft und einem Apfel, plante ich den kommenden Tag. An erster Stelle stand nun der Einkauf, so schnappte ich meine Autoschlüssel und machte mich auf den Weg zum Sainsbury’s. Als dies erledigt war, las ich in der Zeitung vom vorigen Tag, schaute etwas fern und musste mit Schrecken feststellen, dass sich in meinem Körper die ersten Anzeichen einer Erkältung erkennbar machten. Sofort ergriff ich die notwendigen Gegenmaßnahmen. Mit einer Tasse Pfefferminztee begab ich mich auch pünktlich um 19 Uhr an den PC, um rechtzeitig zum Anpfiff der Partie KSC gegen Mainz 05 online zu sein. Über Yahoo und den Kicker verfolgte ich das Geschehen, leider vergab der KSC einen sicher geglaubten Sieg in der Nachspielzeit. Enttäuscht darüber konnte ich nur schlecht einschlafen., aber vielleicht war es auch meine Erkältung, die mich am Schlafen hinderte, denn am nächsten Morgen zeigte sich, dass ich besser im Bett bleiben sollte. Mit dicken Mandeln, dickem Kopf und verstopfter Nase erwachte ich am Dienstagmorgen. Es blieb mir nichts anderes übrig, als meine Schule anzurufen und mitzuteilen, dass ich krank sei und nicht kommen könne. Danach begab ich mich in mein Bett und hoffte, dass es sich im Laufe des Tages bessern würde. Leider war meine Hoffnung vergebens, so dass ich nachmittags meinen Körper nochmals mit Vitaminen versorgte, um in der Nacht gestärkt den Kampf gegen die Grippeviren aufzunehmen. Am Mittwoch fühlte ich mich schon etwas besser, so dass ich zwar noch zuhause blieb, aber meinen Körper durch Aktivitäten am Arbeiten hielt und die Schwäche so verdrängte. Am Abend verfolgte ich dann über das Internet, wie schon an den Tagen zuvor, das Fußballgeschehen in Deutschland, diesmal die Halbfinalspiele im DFB-Pokal. Dienstags hatte sich schon Bremen, in einem denkbar engen Spiel, gegen Lübeck durchgesetzt und am Mittwoch gelang der Alemannia aus Aachen die Überraschung gegen Gladbach. Nach einer durchaus erholsamen Nacht wachte ich am Donnerstag noch leicht geschwächt auf, aber dennoch ging ich zur Schule arbeiten. Dies tat mir auch gut, denn am Nachmittag fühlte ich mich einfach schon viel besser. Den Abend nutzte ich zur Ruhe, da ich am nächsten Morgen früh aufstehen und nach Leeds aufbrechen wollte. Freitags stand ich gegen 8 Uhr auf, packte nach dem Frühstück meine Tasche. Aufgrund eines Dauerregens entschied ich mich dazu, mit dem Taxi zum Bahnhof zu fahren, was mich am Ende acht Pfund kostete, mich aber trockenen Fußes zum Gleis brachte. Die Zugfahrt verlief recht ereignislos, die Strecke über Berwick-up-on-Tweed, Newcastle, York bis Leeds bietet eine abwechslungsreiche Landschaft und bei Zeitunglesen und Sandwhichessen vergeht die dreistündige Fahrtzeit wie im Flug. In Leeds angekommen holte mich dann Rafael am Bahnhof ab. Von dort aus fuhren wir mit dem Bus nach Bramley, dem Vorort in dem Rafael wohnt. Dort angekommen, entledigte ich mich meines Gepäcks und es gab Tee mit Scones, Butter and Jam. So gestärkt konnte ich mich dann auch auf eine Stadtbesichtigung begeben, mit dem Bus ging es wieder zurück ins Zentrum und zunächst entlang des River Aire. Leider spielte das Wetter nicht so mit, so dass wir die Stadtbesichtigung unterbrechen mussten und in einem sehr netten Pub einkehrten . Nach einem kühlen Pint ging es dann bei aufklarender Bewölkung weiter in die Stadt. Um 18 Uhr waren wir dann mit Antje und Markus im Horse&Trumpet verabredet, von wo aus wir, zu einem Restaurant gehen wollten, dass leckeres Curry in einer modernen Atmosphäre serviert. Im Akabar angekommen, mussten wir zunächst eine Viertelstunde auf unseren Tisch warten, die Zeit überbrückten wir mit einem kleinen Becks aus der Flasche. Schließlich wurden wir dann zu unserem Platz gebracht, das Restaurant selber serviert eine indische Küche, hat eine ägyptische Einrichtung und ist in blaues Licht getaucht. Im Hintergrund läuft recht laute Clubmusik, so dass es nicht unbedingt ein romantisches Ambiente ist, aber einfach mal was anderes. Die Speisekarte ist sehr vielseitig, nach langem überlegen entschied ich mich dann für ein Chicken Lamb Tikka, was sehr lecker war, dazu gab es ein riesiges Naanbrot und Reis. Nach dem Essen verabschiedete sich Markus von uns, Antje ging noch auf ein Pint ins Victoria House mit. Danach wurde die Gruppe wieder kleiner, so dass nur Rafael und ich übrig waren und wir zu zweit ins Carpe Diem gingen. Laut Rafaels Aussage eine sehr gute Kneipe mit netter Musik, doch davon war an diesem Abend wenig zu spüren. Nach einem weiteren Pint und vergeblichen Wartens auf Rafaels spanischen Mitbewohner, ging es wieder nach draußen. Dort streiften wir etwas durch die nächtlichen Strassen von Leeds, in denen schon einige betrunkene Gestalten unterwegs waren, bevor wir wieder im Carpe Diem einkehrten, um diesmal mit Erfolg auf Antonio zu treffen. Um 23 Uhr wurde pünktlich zur Last Order geläutet, ein Brauch, den ich als Einwohner Edinburghs gar nicht mehr gewohnt bin, da es dort keine strikte Regelung der Sperrstunde mehr gibt. Mit dem letzten Bus fuhren wir auch dann zu Rafaels Wohnung, wo ich mich sofort ins Bett begab, da meine gerade überstandene Erkältung meinen Körper doch sehr geschwächt hatte. Übrigens hatte der KSC sein Auswärtsspiel in Cottbus mit 1:2 verloren. Um 7 Uhr klingelte der Wecker, langsam öffnete ich meine Augen und nach wenigen Sekunden hatte ich realisiert, dass ich auf einer Schlafcouch in einer Wohnung in England liege. Kurze Zeit später begegnete ich auch Rafael und nun wusste ich, dass wir ja heute einen Ausflug in die North York Moors und nach Whitby unternehmen wollten. Ein Blick aus dem Fenster genügte, um mir die Lust auf eine Wanderung zu nehmen, aber dennoch hoffte ich auf einen schönen Tag. Nach einem hastig eingenommenen Frühstück ging es per Bus in Richtung Uni. Dort war der Treffpunkt, als dann um kurz nach 9 Uhr alle Mann/Frau da waren, ging es auch los. Kaum hatten wir Leeds hinter uns gelassen, setzte auch der Regen ein, es sollte sich bis nach Goathland nicht viel ändern, aber dennoch entschloss sich etwas ein Drittel der Gruppe für einen Spaziergang durch die Moors. Leider mussten wir nach nur 15 Minuten abbrechen und uns zu den anderen im Tearoom von Goathland gesellen. Dort wärmten wir uns bei heißer Schokolade und Kuchen auf, bevor es weiter in Richtung Whitby ging. Nach kurzer Fahrt erreichten wir den Busparkplatz in Whitby, dort hatten wir ca. 2,5 Stunden Zeit, um uns die Stadt anzusehen und etwas zu essen. In Whitby angekommen wollten wir uns erstmal das Meer aus der Nähe ansehen. Dies war keine so gute Idee, denn es regnete ohne Pause und der Wind peitschte uns das Meerwasser und den Sand ins Gesicht. Vollkommen durchnässt machten wir uns auf in Richtung Hafen. Es glich wie einem Wunder als wenige Minuten später die Sonne zum Vorschein kam. Das Spiel von Wolken und Sonne wechselte sich ab, aber es blieb doch recht trocken. Nach dem Anstieg der 199 Stufen hinauf zur St. Mary’s Church und der Whitby Abby, wurden wir mit einer wundervollen Aussicht über Whitby und das Meer belohnt. Im Übrigen haben die 199 Stufen und die St. Mary’s Church Bram Stoker, den Autor von „Dracula“ so inspiriert, dass er sie in seinem Roman aufgenommen hat, so dass sich auch Whitby als „Dracula-Town“ bezeichnet. Oben auf dem Hügel herrschte ein orkanartiger Wind, der einen längeren Aufenthalt unmöglich machte, besonders mir und meinen Schuhen bereitete die Reise einige Schwierigkeiten, denn aufgrund von Regen und unebenem Geläuf löste sich ein Teil der Umrandung meinen Schuhs. Mit etwas Paketband, welches wir in einem Geschäft in Whitby kostenlos erhielten, wurde mein Stiefel fachmännisch von Rafael fixiert. Danach ging es erstmal in ein Restaurant, wo wir recht guten Fish&Chips aßen. Wir waren nicht im weltberühmten Magpie Café, da die Menschenschlange davor einem den Appetit verderben konnte. Nach dem Essen ging es zurück zum Bus und mit diesem zur letzten Station der Reise: Robin Hood’s Bay, ein paar Kilometer südlich von Whitby gelegen. Dort angekommen streiften wir durch den Ort, bewunderten die beeindruckende Aussicht, bevor Rafael, Antje und ich in einem Pub direkt am Meer einkehrten und ein gutes Pint Youngs Bitter konsumierten. Ich muss schon sagen, dass ein Bier mit Meeresblick wirklich fast noch besser schmeckt. Am Bus angekommen fuhren wir dann auch pünktlich zurück nach Leeds. Dort kauften wir in einem Supermarkt ein, damit wir etwas für das Abendessen hatten. In Rafaels Wohnung angekommen, gönnten wir uns alle eine heiße Dusche und danach eine gute Tiefkühlpizza. Am Abend ging es dann zur Abschiedsparty von Kerstin, einer Language Assistentin aus Deutschland, die schon vorzeitig ihre Zelte in England abbricht. Die Party war recht nett, anfangs, wie wohl jede Hausparty, eher ruhig, doch mit ein paar netten Spielchen wurde es schnell locker und amüsant. Doch als dann um kurz nach 1 Uhr das letzte Bier getrunken und auch der letzte Cider die Kehle hinuntergeflossen war, ging es für Rafael und mich mit dem Taxi in die Heimat und dort direkt ins Bett. Sonntag, ein Tag an dem wir ausschlafen konnten und ich somit erst gegen 10 Uhr so langsam wach wurde und feststellte, dass noch eine andere Person im Wohnzimmer pennt. Es war Bohar, ein spanischer Freund Antonios. Zusammen schauten wir uns das sonntagmorgendliche Fernsehprogramm an, das wirklich sehr, sehr schlecht ist. Irgendwann hörte man dann auch Antonio und Rafael die Treppe hinunterstürzen. Als Antonio und Bohar das Haus verlassen hatten, bereitete Rafael ein schönes englisches Sonntagsfrühstück mit Bacon, Eggs and Baked Beans vor. So gestärkt überlegten wir, was wir machen könnten und da das Wetter recht unbeständig war, entschieden wir uns, mit dem Bus nach Bradford zu fahren. Bradford, bekannt als die Asiatenhochburg in Mittelengland, und Mitte der Neunziger durch Rassenaufstände in die Schlagzeilen geraten. An diesem Sonntag merkte ich sehr wenig davon. In Bradford angekommen, schlenderten wir ein wenig durch die Stadt, schauten uns „Little Germany“ an, einem Stadtviertel, dass im 19. Jahrhundert von deutschen Industriellen für ihre Mitarbeiter gebaut wurde und deshalb heute noch nach der Nationalität der Begründer benannt ist. Deutsche kann man dort nicht mehr antreffen. Von dort aus schlenderten wir durch die Fußgängerzone, um dann ins National Museum für Fotografie, Film und Fernsehen zu gehen. Das Museum war sehr informativ und interessant aufgebaut, besonders beeindruckend war eine aktuelle Ausstellungen von Bildern eines französischen Fotografen, der eine Bilderserie über Sibirien gemacht hat, die auf schockierende Art und Weise die Armut und das Grauen in diesem entlegenen Winkel der Erde zeigt. Eine andere Serie, zeigt Bilder von Ground Zero, Afghanistan und Israel, die auf 4 auf 2 Metern großen Plakatwenden gezeigt werden, so dass man das Gefühl hat, wirklich nah am Geschehen dran zu sein. Auch eine sehr beeindruckende Erfahrung. Nach dem Museum ging es mit dem Bus zurück nach Leeds, wo wir in Rafaels Wohnung etwas kochten, bevor wir am Abend ins Kino gingen und uns „21 Grams“ anschauten. Einen absolut sehenswerten und schockierenden Film mit Sean Penn und Benicio del Toro. Mit so vielen Eindrücken ging es dann wieder nach Bramley und dort auf meine lieb gewonnene Schlafcouch. Die letzte Nacht in Leeds verlief ohne große Zwischenfälle, so dass ich am Montagmorgen rechtzeitig aufwachte, um mich mit Rafael in der Stadt auf einen Kaffee zu treffen und mich von ihm und Leeds zu verabschieden. Was der restliche Montag so gebracht hat und ob ich in Edinburgh alles so vorgefunden habe, wie ich es verlassen hatte, könnt ihr dann in der nächsten Woche hier nachlesen. Bis denn, dann, Euer Alex 22.03.- 29.03.04 Nach einer Tasse frisch gebrühten Milchkaffee im Café Nero in Leeds verabschiedete ich mich von Rafael und begab mich zum Bahnhof. Unterwegs kaufte ich mir noch etwas Reiseproviant in Form von Wasser, Sandwichs und Crisps ein. Kurze Zeit später saß ich dann auch in meinem Zug, der mich in meine derzeitige Heimat bringen sollte. Die Zugfahrt von etwas mehr als drei Stunden verbrachte ich mit Lesen und Essen. In Edinburgh angekommen schien glücklicherweise die Sonne, so dass ich mir das Geld für ein Taxi sparen konnte und mich mit meiner Tasche zur nächsten Bushaltestelle schleppte, um dort in die Linie 41 einzusteigen, die in mein Wohngebiet fährt. In der Wohnung angekommen erwarteten mich die üblichen Arbeiten, die man hat, wenn man von einer Reise zurückkehrt. Als erstes musste ich die Tasche auspacken, die gebrauchten Klamotten in die Waschmaschine stecken und mich selber ausruhen. Am Abend telefonierte ich noch kurz mit meinem Schatz in Deutschland und schlief kurz darauf ein. Viel zu früh wurde ich aus meinen Träumen geweckt, denn ich war gerade dabei im Traum durch Loch Ness zu tauchen und wahrscheinlich kurz davor eine sensationelle Entdeckung zu machen. Leider riss mich der Signalton meines Mobiltelefons aus dem Schlaf. Noch etwas schlaftrunken torkelte ich ins Bad. Nach einer erfrischenden Dusche stand ich auch wenig später vor meiner Klasse. Der Schultag verlief recht entspannend, bis zur vorletzten Stunde, denn da wurde mein Unterricht von einigen Schülern so massiv gestört, dass ich diese aus meiner Klasse bis auf weiteres entfernen ließ. Etwas genervt ging es dann nach Hause, wo ich nach einem hastig eingenommenen Abendessen, pünktlich zum Schottenchat online war. Danach bereitete ich noch den Unterricht für den nächsten Tag vor und begab mich danach müde und erledigt in mein Bett. Gott sei dank konnte ich mittwochs ausschlafen und musste erst um 10 Uhr an der Schule sein. In meiner ersten Stunde hatte ich die Advanced Highers, die in der kommenden Woche ihre mündliche Prüfung haben sollten und dementsprechend nervös waren. Ich sprach mit ihnen nochmals alle behandelten Themen durch und ließ mir von ihnen die wichtigsten Punkte nennen und gab ihnen Hinweise, was sie noch besser machen könnten. Ob meine Künste als Lehrer etwas geholfen haben, werde ich in der nächsten Woche erfahren, ich hoffe es, denn die Schüler dieser Klasse sind alle sehr nett. Der restliche Tag verlief recht unspektakulär und auch mein Feierabend war sehr gemütlich und geprägt von Tea, Scones, Butter and Jam. Am Donnerstag ging es dann wieder zur ersten Stunde an die Schule. Da es aber mein letzter Arbeitstag in der Woche ist, macht mir das Aufstehen wenig aus und die Vorfreude auf ein langes Wochenende überwiegt dann doch. In der Schule verlief alles wie gehabt und in der nächsten Woche soll endlich der neue Deutschlehrer seinen Dienst antreten, so dass ich auch etwas entlastet werde. Nicht dass ich zuviel zu arbeiten hätte, aber ständig ganze Klassen allein zu unterrichten, statt in kleinen Gruppen zu arbeiten ist um einiges stressiger, auch wenn es dem späteren Lehrerberuf mehr entspricht, als die sonstige Tätigkeit eines Assistants. Sicher hat es mir sehr viel gebracht, dass ich seit Weihnachten in drei Klassen mehr oder weniger „richtigen“ Unterricht gehalten habe, aber ich bin nun auch froh, wenn ich zum Ende meines Dienstes noch ein paar ruhige Wochen haben werde. Am Nachmittag ging es nach dem Einkauf auf die Couch, die ich dann für den restlichen Abend nicht mehr verlassen sollte. Freitags konnte ich dann so lange im Bett bleiben wie ich wollte, da aber die Sonne schien und es ein recht angenehmer Tag werden könnte, verließ ich mein Bett um kurz vor 10 Uhr. Nach einem ausgiebigen Frühstück, packte ich meinen beschädigten Stiefel, meine stehen gebliebene Uhr und spazierte nach Stockbridge, um dort meine Sachen reparieren zu lassen. Der Stiefel konnte leider nur notdürftig geflickt werden, aber dafür kostete es nichts. Für die Uhr benötigte ich lediglich eine neue Batterie, die mit vier Pfund auch noch recht günstig war. Danach lieh ich mir noch für meine Abendunterhaltung ein paar Filme in der Videothek aus. Zuhause gönnte ich mir zunächst einen Tee und am Abend startete ich dann meinen cineastischen Marathon. Den Anfang machte der Film „28 Days later“, ein Thriller von Danny Boyle, dem Regisseur von Trainspotting. Absolut shocking, aber gut. Danach brauchte ich etwas leichtere Kost und sah mir „Once upon a time in Mexico“ an. Irgendwie wurde ich das Gefühl nicht los, diesen Film 10 Jahre früher schon mal gesehen zu haben. Nun war mein Hunger nach künstlichem Blut und Platzpatronen gestillt und ich fiel müde auf meine Ruhestätte. Da ich am Samstag ein paar Einkäufe in der Stadt erledigen wollte, stand ich schon recht früh auf. Um kurz nach 10 Uhr war ich dann auch in einer total überfüllten City. Das gute Wetter hat nicht nur die einkaufswütigen Bürger aus Edinburgh und Umgebung angelockt, nein auch die ersten Heerscharen von Touristen belagerten meine, ach so schöne, „Heimatstadt“. Ich versuchte möglichst schnell meine Sachen zu erledigen, um ohne Umwege diesem Trubel zu entkommen. Etwas gestresst kam ich dann so gegen 14 Uhr zuhause an. Dort kochte ich mir zur Beruhigung einen Tee und sah mir den letzten Film „Love actually“ an. Ein super Streifen, der einfach nur nett gemacht ist. Am Abend ging es dann ins Kino, wo ich mir den Film „Mona Lisas Smile“ mit Julia Roberts anschaute. Nach Filmende beeilte ich mich dann, um noch meinen letzten Bus zu bekommen, der mich dann auch um kurz vor Mitternacht sicher in Ravelston absetzte. Nach einer ausgedehnten Nachtruhe wachte ich am späten Sonntagvormittag auf. Es war wieder ein herrlich sonniger Tag, so dass ich nach einem traditionellen britischen Frühstück meine Schuhe schnürte, um die Filme in der Videothek abzugeben. Unterwegs fiel mir ein, dass am frühen Mittag das Old Firm zwischen den Glasgow Rangers und Celtic stattfand, so dass ich direkt nach Besuch der Videothek das nächste Pub aussuchte und bei einem kühlen Pint Lager das Spiel verfolgte. Celtic gewann das Spiel mit 2:1, währenddessen war auch das Spiel vom KSC gegen Aue angepfiffen worden und die Hiobsbotschaften aus dem Wildpark schienen kein Ende zu nehmen, eine Textmitteilung nach der anderen kam auf meinem Handy an und es wurde von Minute zu Minute schlimmer, bis es schließlich nach 19 Minuten 4:0 für Aue stand. Danach ging ich dementsprechend deprimiert nach Hause, dort angekommen verfolgte ich den Rest des Spiels über das Internet, doch leider gelang dem KSC kein Wunder und das Spiel endete mit 3:5 für Aue. Nun befindet sich die Truppe der Blau-Weißen wieder mitten im Abstiegskampf, ein schöner Mist ist das. Pünktlich zum Tee wurde dann das legendäre Bootsrennen auf der Themse übertragen. Die diesjährige Veranstaltung war das 150. Rennen und ich hielt zu Cambridge. Nach einem normalen Start hatte Oxford leider ziemlich schnell eine dreiviertel Bootslänge Vorsprung, doch Cambridge holte auf und nach einem sehr engen Kampf, vielleicht sogar einer unsauberen Kollision überholte das Boot von Cambridge die Rudermannschaft aus Oxford und schaukelte das Rennen souverän nach Hause. Später am Abend bekam dann Ruby noch Besuch von zwei Spanierinnen. Gemeinsam verspeisten wir das von Ruby lecker zubereitete Mahl. Danach telefonierte ich noch mit Michaela in Deutschland, um von den Ereignissen des Tages erschlagen in mein Bett zu fallen und auf der Stelle einzuschlafen. Was sich so in meiner letzten Arbeitswoche vor den Osterferien so ereignet und ob der neue Deutschlehrer wirklich an unserer Schule ankommt, könnt ihr im Laufe der Osterferienwoche an gewohnter Stelle erfahren. Bis dahin wünsche ich eine schöne Zeit. Euer Alex |

