| Januar 2004 |
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04.01.- 11.01.04 Der letzte Morgen in Deutschland ging sehr früh los, da ich um kurz nach neun Uhr am Flughafen in Hahn sein wollte und aufgrund des winterlichen Wetters möglicherweise ein zügiges Vorankommen nicht gewährleistet sein konnte. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns auf den Weg, da mein Schatz noch sehr müde war, lenkte ich ihr Auto in Richtung Flughafen. Das Wetter war miserabel und die Fahrt sehr stressig. Am Flughafen konnte ich dann recht schnell einchecken und danach gönnte ich mir einen Milchkaffee und mein Schatz einen Pfefferminztee. Abschiednehmen ist immer schwer, besonders nach zwei wundervollen Wochen, aber es hilft ja alles nichts, denn in Edinburgh warten schon meine Schüler auf mich. Der Flug verging recht schnell, da ich im Flugzeug einen Studienkollegen aus Mannheim getroffen habe, der zur Zeit in Glasgow ein Auslandssemester absolviert. Mit meinem Gepäck machte ich mich dann auf den Weg zu meinem Auto, dass ich ja aus Kostengründen nicht auf einen offiziellen Parkplatz gestellt hatte, sondern nur in einer Seitenstrasse gegenüber eines Golfplatzes. Mein Auto stand sogar noch unversehrt da, was für mich eine große Erleichterung war. Der Schreck kam dann beim Einsteigen bzw. den Versuch das Vehikel zu starten. Ich drehte den Schlüssel um, aber es tat sich nichts. Nach weiteren 20 fehlgeschlagenen Versuchen, wählte ich die Notfallnummer des ADAC-Auslandsdienstes, erklärte der netten Dame meine Situation und versuchte ihr meinen Standort so genau wie möglich zu beschreiben. Eine Stunde später kam auch schon der "gelbe Engel" der britischen Automobil Association. Mit seiner Hilfe sprang der Wagen sofort an und so konnte ich endlich nach Edinburgh fahren. Ungefähr zwei Stunden später erreichte ich meine Wohnung, in der meine Mitbewohner schon warteten. Es war ein schönes Gefühl dort wieder anzukommen, fast schon wie ein Zuhause. Am Abend kochte Rubi für mich und eine ihrer zahllosen Freundinnen. Nach einem netten Abend schlief ich dann recht schnell ein, da der Dienstag mein erster Tag an der Schule sein sollte. Draussen war es noch dunkel, als mein Wecker meinen Träumen ein Ende bereitete und ich der kalten Realität ins nasse Antlitz blicken musste. Gespannt machte ich mich auf den Weg zur Schule, denn nach so einer langen Pause, fragt man sich ja schon, was einen so erwarten wird und welche Veränderungen möglicherweise vorhanden sind. Der Schultag verlief recht normal, die meiste Zeit verbrachte ich damit mit den Schülern über ihre Ferien zu reden. Am Dienstagabend war ich dann im Internetcafé, da der erste Schotten-Chat im neuen Jahr an der Reihe war. Mittwochabend gab es wieder ein herrliches Dinner zubereitet von Rubi. Diesmal kochte sie für die Wohnung, d.h. für Kirsty und mich, denn am Samstag geht Rubi für vier Wochen in Urlaub und ist deshalb nicht da. Aus diesem Grund habe ich dann auch am Freitag für sie gekocht, es gab einen Feldsalat mit gegrillten Garnelen als Vorspeise und als Hauptgericht servierte ich Putengeschnetzeltes in einer Champignon-Speck-Weissweinsauce, dazu Bandnudeln und in Butter geschwenkter Broccoli mit Mandelsplittern. Zum Nachtisch gönnten wir uns einen Apfelstrudel mit Vanilleeis. So gestärkt konnte Rubi am nächsten Tag problemlos ihre Reise antreten und ich meinen Ausflug nach Kirkcaldy machen. Am Samstag stieg ich kurz nach zwölf Uhr in meinen treuen Golf und machte mich auf den beschwerlichen Weg nach Kirkcaldy, denn ich wollte mal wieder Sinead und Martyn besuchen. Eine Stunde später stellte ich meinen Wagen auf dem Bahnhofsparkplatz von Kirkcaldy ab und lief die 300 Meter zu martyns Wohnung. Dort traf ich dann noch Martyns Vater und Danny, einen früheren Studienfreund von Martyn, der mittlerweile Arzt ist und in Manchester lebt. Zusammen gingen wir bei leicht bewölktem Wetter zum Fussballstadion. Auf dem Programm stand die dritte Runde im schottischen Pokal, die Partie lautete Raith Rovers gegen Kilmarnock. Nach einem traditionellen Pie mit Bovril, ging auf die Tribüne. Voller Erwartung fieberten die Fans dem Anpfiff entgegen und die Rovers spielten gut mit und kamen zu einigen Chancen, doch dann unterlief in der 30. Minute dem Torwart der Rovers ein Leichtsinnsfehler, der zu einem Tor für Kilmarnock führte. Von diesem Schock erholten sich die Rovers leider nicht, im Gegenteil vier Minuten später klingelte es wieder im Kasten der Rovers, auch diesmal ging dem ganzen ein Fehler in der Abwehr voraus, der vermeidbar gewesen wäre. Keine fünf Minuten später erhöhte Kilmarnock auf drei zu null. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause, nach der Pause spielten nur noch die Rovers und Kilmarnock beschränkte sich aufs Kontern. Es gelang den Rovers noch ein Tor, doch die Partie ging mit eins zu drei verloren. Hoffentlich werde ich mal von einem Sieg der Rovers berichten können. Zusätzlich setzte mit dem Abfiff auch der Regen ein, so dass der Heimweg sehr nass und kalt war, nach einem kurzen Zwischenstopp im Football Arms, wo wir uns kurz bei einem Pint aufwärmten erreichten wir um kurz nach 18 Uhr die Wohnung. Wir gönnten uns dann das übliche Fast-Food, warteten noch auf einen weiteren Freund von Martyn namens Bazz, bevor wir uns in das bunte Treiben des Nachtlebens von Kirkcaldy begaben. Die erste Bar, war schon wie bei meinem letzten Besuch, die Harbour Bar, da es dort gutes Hefeweizen aus Weihenstephan gibt. Danach ging es wieder zur Bar, in der ein hervoragender Cider serviert wird. Nun gönnten wir uns einen kurzen Aufenthalt in einer Karaoke-Bar, in der Danny sein Gesangstalent vorführte und uns mit einer tollen Show zum Song "Mr. Bombastic" von Shaggy erheiterte. Wir enterten noch einige weitere Pubs bevor wir den Abend in einem Club mit Livemusik ausklingen liessen. Die Band war sehr laut, aber traf genau meinen Musikgeschmack, von Blur über Nirvana bis hin zu The Strokes war alles geboten. Gegen zwei Uhr schwankten wir dann nach Hause, dort spielten wir dann noch in nicht mehr ganz nüchternem Zustand EyeToy auf der Playstation und als Abschluss lieferte ich mir noch eine Fussballschlacht mit Danny. Er nahm natürlich England und ich Deutschland, über das Ergebnis legen wir lieber den Mantel des Schweigens. Gegen sechs Uhr legte ich mich dann in meinem Schlafsack und auf den Boden, wenige Stunden später öffnete ich meine Augen, versuchte mich zu orientieren und stellte erstaunt fest, dass es mir besser ging als befürchtet. Nach einem fantastischen Frühstück mit Eiern, Speck, gebratenen Tomaten und Würstchen spielten wir dann Pop-Idol. Wir hatten sehr viel Spass, gegen drei Uhr klingelte dann Paddy an der Tür und holte Martyn und Danny zum Fussballschauen ab, da sie bei ihm ManU gegen Newcastle auf SkyTV sehen wollten. Da es in strömen regnete und eisig kalt war nahm Paddy mich im Auto mit, um mich am Bahnhof rauszulassen. Ich wollte mich dort gerade von Martyn, Danny und Paddy verabschieden als ich mit Schrecken feststellen musste, dass ich einen platten Hinterreifen hatte. Sofort war der Regen noch unerträglicher und die Kälte viel stärker zu spüren. Sicherheitshalber rief ich den britischen Automobilclub an, um Hilfe anzufordern, nachdem wir im ersten Versuch es nicht geschafft hatten, meinen Ersatzreifen anzubringen. Nachdem sich eine Stunde nichts getan hatte, probierten wir es noch einmal und diesmal gelang es Paddy, den Ersatzreifen ordentlich an meinem Wagen zu befestigen. Dank seiner Hilfe konnte ich mich dann in strömenden Regen und im Schneckentempo auf den dreissig Meilen langen Heimweg machen. Ob ich unversehrt in Edinburgh angekommen bin, oder ob es noch weitere Zwischenfälle gab, könnt ihr dann nächste Woche an dieser Stelle nachlesen. Bis die Tage... 12.01.- 18.01.04 Nach einer unendlich lang erscheinenden Heimfahrt bin ich am Abend wieder gut in Edinburgh angekommen. Müde vom Wochenende und dem stressigen Ende legte ich mich früh ins Bett. Am nächsten Morgen führte mich dann mein Weg zum nächsten Reifenhändler. Dort erklärte ich dem netten Menschen im Büro, mein Anliegen. Nach kurzer Untersuchung des platten Autoreifens, kam die für mich erleichternde Diagnose. Der Reifen kann noch geflickt werden, ich müsse mir keinen neuen kaufen. So fing diese Woche doch sehr gut an, denn statt der befürchteten 50 Pfund, kostete mich der Spass nur 10 Pfund. Die Reparatur dauerte 15 Minuten und währenddessen durfte ich einen kostenlosen Kaffee trinken und im werkstatteigenen Internetcorner surfen. So einen Service wünschte ich mir manchmal in Deutschland. Der restliche Tag verlief eher ruhig, die meiste Zeit verbrachte ich im Wohnzimmer, Tee trinkend und Harry Potter and the Order of the Phoenix lesend. Dienstag, das Grauen am Morgen, früh aufstehen und pünktlich in der Schule zum Dienst erscheinen. Doch auch diese sechs Schulstunden gingen recht schnell vorbei. Am Abend war ich dann pünktlich zum Schottenchat im Internetcafé. Der Mittwoch war dann ein sehr, sehr angenehmer Schultag. Da die höheren Klassen in dieser und der nächsten Woche Vorbereitungsexamen schreiben, hatte ich nur eine einzige Stunde zu halten. Den Abend verbrachte ich dann mal wieder mit der Nase im Buch und der Hand an der Teetasse. Der Donnerstag unterschied sich kaum vom Mittwoch, ausser dass ich eine aufkommende Erkältung in meinem Kopf und meinem Körper spürte. Voller Hoffnung, dass ich nicht schlimmer krank werde, legte ich mich nicht zu spät ins Bett, doch leider fühlte ich mich auch am Freitag Vormittag nicht viel besser. Nachdem ich die ersten Gegenmassnahmen ergriffen hatte, d.h. viel Pfefferminztee und heisse Zitrone mit Honig trinken, machte ich mich ans Aufräumen der Wohnung, da mich am Abend Rafael und Stephan besuchen wollten. Rafael und Stephan sind Freunde von der Uni in Mannheim und sind zur Zeit auch als Fremdsprachenassistent in England, genauer in Leeds und Doncaster, tätig. Um 15 Uhr habe ich es endlich geschafft, die Wohnung erstrahlen zu lassen. Rafael sollte um 19.43 Uhr in Edinburgh, Waverly Station ankommen. Nach einer erfrischenden Dusche, verließ ich am Abend die Wohnung, nach einem kurzen Abstecher im Internetcafé, wo ich mich fürs Wochenende von meiner Freundin verabschiedete, holte ich dann die beiden am Bahnhof ab. Als erstes trudelte Rafael ein und wenige Minuten später fuhr auch der Zug aus Doncaster, der zu meinem erstauen nicht mehr von einer Dampflokomotive gezogen wurde, ein. Nach einem grossen Hallo, wollten die beiden erstmal ihr Reisegepäck in meiner Wohnung unterbringen. Nach kurzen Aufenthalt in meiner bescheidenen Bleibe, ging es dann zurück ins Edinburgher Nachtleben. Für Freitag hatte ich einen kleinen Zug durch Edinburghs Pubs in der New Town angedacht. Zuvor wollten wir uns noch mit einem günstigen Snack bei BK stärken, danach ging es ohne Umwege ins erste Pub. Ausgangspunkt war Hog's Head in der Rose Street, dort war es aber nicht besonders prickelnd und auch die Musik war weniger unser Geschmack, so dass wir nach einem schnellen Pint die nächste Pinte ansteuerten. Bevor wir zu unserer finalen Lokalität kommen sollten, machten wir noch einen Zwischenstopp im Saltire. Auch dort reichte es nur für ein Pint, da dieses Lokal pünktlich um kurz vor 23 Uhr zur Last Order aufrief. Als letztes Pub am Abend fielen wir ins Jekyll and Hyde ein. Dort war es wie immer recht voll, aber glücklicherweise bekamen wir noch einen Sitzplatz für jeden. Dort war die Musik wie immer gut und das Bier wie immer feucht. Die Zeit verging sehr schnell und Stephan, Rafael und ich hatten sehr viel Spass. Der Heimweg war dann wie immer lang, da wir aufgrund von Koordinationsproblemen den Nachtbus um wenige Minuten verpasst hatten. Einigermassen fit erreichten wir die Wohnung, dort gönnten wir uns noch ein paar Chips bevor wir erschöpft vom langen Fussmarsch in die Koje fielen. Nicht die Sonnenstrahlen weckten mich am Samstagmorgen, sondern mein Wecker. Das Wetter sah vielversprechend aus, so dass wir uns nach einem stärkenden Frühstück auf den Weg in die Stadt machten. Im Stadtzentrum angekommen, spazierten wir einfach die George Street entlang, von dort zum Waterloo Place, wo dann der Anstieg zum Calton Hill vor uns lag. Bei herrlichem Sonnenschein schleppten wir uns den Hügel hinauf. Oben angekommen wurden wir für diese Anstrengung mit einer wundervollen Aussicht belohnt. Vom Calton Hill aus setzten wir unsere Erkundungstour fort und begaben uns an das östliche Ende der Royal Mile, dort gönnten wir uns in Clarinda's Tea House eine Stärkung. Diese Tea House ist nur zu empfehlen, da es sehr traditionell eingerichtet ist und die Kuchenauswahl sehr gut ist. Nach dieser erholsamen Pause ging es dann die Royal Mile entlang unterwegs kauften Rafael und Stephan noch die obligatorischen Ansichtskarten, die wir später in einem Pub am Grassmarket ausfüllten. Von dort aus ging zum Schloss, danach der Abstieg über den Castle Hill zum West Princes Street Gardens und von dort aus mit dem Bus nach Hause. Bevor es dann am Abend wieder auf die Piste ging, kochten wir uns eine stärkende Mahlzeit. Es gab lecker Spaghetti Bolognese. Schnell noch umgezogen und schon waren wir bereit für eine Reise durch die Nacht. Den Startpunkt setzte das Frankensteins, von dessen Einrichtung die beiden sehr angetan waren. Als Kontrastpunkt ging es dann weiter ins Jingling Geordie und von dort aus zu unserem Ziel der Reise dem Scotsman. Ich wollte auch Rafael und Stephan die tolle Stimmung dort zeigen, wenn Rantum Scantum spielen. Als wir ankamen, war das Pub gut gefüllt, aber nicht überfüllt und die Band spielte schon. Die Stimmung war gut und wir hatten viel Spaß. Nachdem die Band fertig war und unser letztes Pint geleert, liefen wir zur Haltestelle, um unseren Nachtbus zu nehmen, den wir diesmal auch bekamen und so recht schnell zuhause ankamen. Die Nacht verlief ohne besondere Vorkommnisse. Der Morgen war geprägt von der üblichen Aufbruchsstimmung. Nachdem die beiden ihre Sachen gepackt hatten, ging es zur Waverly Station, wo sie ihre Taschen zur Gepäckaufbewahrung gaben, damit wir für die letzte Runde durch Edinburgh keinen unnötigen Ballast mitschleppten. Zunächst gönnten wir uns ein deftiges schottisches Frühstück im Frankensteins. Aufmerksamen Lesern wird auffallen, dass ich recht oft dort frühstücke, was daran liegt, dass man dort eine gute Portion serviert bekommt und am Wochenende bei jedem Frühstück Kaffee, Orangensaft und ein Guinness inklusive sind. Nach dieser herzhaften Stärkung wanderten wir noch etwas durch die Strassen, bevor wir uns an der Waverly Station voneinander verabschiedeten. Es war ein sehr schönes Wochenende und ich werde dann auch bald mal nach Leeds fahren, um die beiden wiederzusehen. Nachdem ich den Bahnhof verlassen hatte, kaufte ich mir erstmal die Sonntagszeitung, danach versuchte ich einen Bus nach Hause zu bekommen, doch leider fahren die Busse sonntags nicht so oft, so dass ich mir die erste Halbzeit des Spiels der Hearts gegen Celtic in einem Pub anschauen musste. Halbzeitstand null zu eins für Celtic. Dies war auch der Endstand. Ob ich meine Erkältung endlich überwunden habe, welche Überraschungen die neue Woche für mich bringt und was sonst noch in und um Edinburgh passiert, könnt ihr am nächsten Dienstag wieder hier nachlesen. Tschüss. 19.01.- 25.01.04 Nach einer erholsamen Nacht, musste ich leider feststellen, dass meine Erkältung sich wieder mit voller Kraft zurückgemeldet hat. Sofort wurden die notwendigen Gegenmaßnahmen eingeleitet. Mein Einkaufskorb bestand an diesem Tag überwiegend aus frischem Obst und Gemüse, darunter ein Kilo Zitronen. Nachdem der Montagmorgen recht ruhig verlief, stand am Nachmittag mein Besuch beim Amt für soziale Sicherheit an. Dort hatte ich endlich einen Termin, um meine nationale Versicherungsnummer zu beantragen. Da weder Unterlagen, die man vom pädagogischen Austauschdienst erhält, noch die Informationen vom British Council einen ausreichend informieren, wie und vor allem wo man diese Nummer beantragen kann, verzögerte sich dies bei mir. Das Problem bestand einfach darin, dass ich später meinen Dienst angetreten habe und so nicht an der Informationsveranstaltung des Goethe-Instituts in Glasgow zu Beginn des Aufenthalts teilnehmen konnte, denn dort werden alle Formulare usw. gemeinsam ausgefüllt und gesammelt abgeschickt. Also, wie gesagt, am Nachmittag machte ich mich auf den Spaziergang in Richtung Innenstadt. Das Büro befindet sich gegenüber der Haymarket Station, einem Bahnhof am Rande der Innenstadt. Mir fiel sofort auf, dass ich mich hier eindeutig in einem Sozialamt befinde. Das restliche Klientel im Warteraum setzte sich aus Baseballkappen tragenden jungen Erwachsenen und alleinerziehenden Müttern, die kaum älter als 17 waren, zusammen. Glücklicherweise kam ich recht schnell dran, das Interview verlief sehr locker, auch wenn ich mich in dem Raum eher wie ein Schwerverbrecher als ein unbescholtener Bürger der Bundesrepublik Deutschland gefühlt habe. Nachdem ich den Raum betreten hatte, nahm ich auf der Holzbank platz, die für den Klienten bestimmt ist. Vor mir war dann eine Wand, die obere Hälfte aus dickem, bruchsicheren Plexiglas mit einer kleinen rechteckigen Öffnung in Brusthöhe, dahinter der Bürostuhl, der noch leer war und dahinter eine Wand mit einer dunklen Holztür. Nach wenigen Minuten kam dann eine Beamtin, die meine Unterlagen durchschaute, mir das Prozedere erklärte, dann Kopien meiner Unterlagen machte und ich schliesslich einige Sachen unterschreiben musste. Nach etwas mehr als dreissig Minuten war alles vorbei und ich war doch sehr erleichtert, als ich dieses Gebäude verlassen konnte. Der restliche Tag verlief sehr ruhig. Dienstags war meine Erkältung immer noch nicht besser, aber dennoch schleppte ich mich in die Schule. Auf dem Stundenplan standen heute Dinge wie Beschreibungen, Verwendung von Adjektiven und gelerntem Wortschatz, danach Aufsatzlehre und zum Schluss Essen und Trinken, wobei ich für meine Schüler einen virtuellen Einkauf vorbereitet hatte. Nachdem der Schultag überstanden war, verbrachte ich den Abend zuhause, um meinen Körper zu schonen. Am Mittwoch fühlte ich mich schon viel besser, so dass ich die eine Schulstunde, die ich zu unterrichten hatte, locker hinter mich brachte. Den restlichen Tag hatte ich frei, da alle höheren Klassen ihre Zwischenexamen schrieben. Donnerstags war dann wieder ein angenehmer Schultag. vor allem habe ich in der fünften Stunde, meiner letzten Stunde vor dem Wochenende eine Klasse der vierten Jahrgangsstufe, die ich, seit eine Lehrerin vor Weihnachten aufgehört hat, ganz alleine unterrichte. Was mir mit dieser Klasse sehr viel Spaß macht, da einige wirklich interessiert sind umd mir durch ihre rege Mitarbeit sehr helfen. Jetzt kann ich endlich verstehen, warum Lehrer, die fleissigen Schüler, die im Unterricht mitmachen, besser leiden können. Nicht weil sie mehr wissen, sondern weil sie die Arbeit des Lehrers erleichtern. Am Donnerstagabend war ja dann wieder Schottenchat. Freitags habe ich erstmal ausgeschlafen, danach zog mich das schöne Wetter nach draussen. Es war ein angenehmer Januartag, den ich mit einem Spaziergang zum botanischen Garten startete, von dort ging es weiter nach Stockbridge, wo ich zu einer Videothek wollte, um ein paar Filme fürs Wochenende auszuleihen. Bei der Videothek angekommen, musste ich feststellen, dass man in Schottland einfach für alles einen Brief benötigt, der den aktuellen Wohnsitz bestätigt. Also, bin ich wieder nach Hause gelaufen, die Unterlagen eingepackt und dann mit dem Auto nach Stockbridge gefahren und in weniger als fünf Minuten hatte ich meinen Mitgliedsausweis und meine drei DVDs. Am Abend schaute ich dann mit Kirsty zwei der drei Filme, zunächst "Sweet Sixteen", ein sehr depremierender Film über Jugendliche in Schottland. Der Film spielt an der Westküste, in der Nähe von Glasgow. Auf jeden Fall sehenswert, vor allem bin ich froh, dass meine Schüler nicht so sind, wie die Protagonisten im Film. Danach schauten wir uns einen Film zur Aufmunterung an, eine Komödie mit Billy Conolly, "The man who sued god". Am Samstag wollte ich sehr früh raus, da ich ja meine Tour zu den Pentland Hills geplant hatte. Um kurz vor acht Uhr weckte mich dann mein Handy. Noch etwas müde, nahm ich ein kleines Frühstück zu mir, packte meine Tasche, kaufte im Sainsbury's etwas Proviant und machte mich auf den Weg über den City-Bypass zu den Pentland Hills, zehn Meilen südlich von Edinburgh. Nach einer unspektakulären Fahrt kam ich dann am Flotterstone Informationszentrum an, dort stellte ich meinen treuen Golf auf den Parkplatz und stiefelte los. Da dies meine erste Tour in den Pentlands war, lief ich erstmal ein paar anderen Wanderern hinterher, bis ich das Glencorse Reservoir erreicht hatte, von dort schlug ich mich dann etwas abseits einen Hügel hinauf, nach ca. 40 Minuten stellte ich fest, dass der Pfad eine Sackgasse war. Da sich auch das Wetter spürbar verschlechtert hatte, von Sonnenschein und einem angenehmen Lüftchen zu Nieselregen mit peitschenden Windböen. So entschloss ich mich umzukehren und über den Castlelaw Hill wieder zum Parkplatz zurück zu gehen. Dies war nicht die schlechteste Entscheidung, denn der Regen wurde minütlich stärker. Durchnässt, aber sonst unversehrt erreichte ich meinen Wagen. Aus meinem geplanten vierstündigen Ausflug wurden leider nur etwas mehr als zwei, aber ich werde mich bestimmt bald wieder dorthin begeben, denn dort hat man schon wirklich ein wenig Highland-Feeling und das fast vor der Haustür. Zuhause gönnte ich mir erstmal einen heissen Tee, danach eine Pizza und im TV kam das Pokalspiel Liverpool gegen Newcastle. Nachdem ich noch mit meiner Freundin telefoniert hatte, schaute ich dann die dritte DVD. Der Film hieß Phonebooth und spielt in einer Telefonzelle in New York, wirklich ein spannender Film, danach kam noch auf BBC 2 "Fawlty Towers" mit der Folge " The Germans". Danach schaltete ich den Fernseher aus und begab mich in mein Bett und schliesse den Samstag mit den Worten: Just don't mention the war! ;-) Sonntags gönnte ich mir den Luxus sehr spät aufzustehen, da ich aufgrund von Geldmangel keine besonderen Pläne hatte. Nach einem ausgiebigen Frühstück entschloss ich mich, den mittaglichen Sonnenschein zu nutzen und einen langen Spaziergang zu unternehmen und dabei auch gleich die DVDs abzugeben. So machte ich mich auf den Weg zum Water of Leith und lief die knapp 1,5 Meilen entlang des Waters nach Stockbridge. Zuhause angekommen gab es dann erstmal Tee und den Kuchen, den mir Rafael aus Leeds mitgebracht hatte, dazu kam im TV wieder Fussball. Zwei Liveübertragungen hintereinander, zunächst das FA-Cup Spiel zwischen Manchester City und Tottenham, danach das Spiel der schottischen Liga zwischen Dundee FC und Dundee United. Als die Spiele abgepfiffen waren, hatte ich meinen Hunger nach Fussball für dieses Wochenende gestillt. Nach einem, für mich, ereignislosen Abend legte ich mich, in Erwartung der kommenden Woche, schlafen. Die restliche Bevölkerung Schottlands feierte am heutigen Abend den Geburtstag von Robert Burns, dem schottischen Nationalpoeten und neben Sir Walter Scott der Wegbereiter der englischen Romantik. Die Burn's Night wird mit einem traditionellen Supper, bestehend aus Haggis, Kartoffelpüree und püriertem, gesüßtem Gemüse gefeiert, dazu gibt es reichlich Whisky, Dudelsackmusik und jede Menge Gedichte von Robert Burns. Wie die letzte Woche im Januar verlaufen wird und ob ich nun endlich meine Steuerrückzahlung auf dem Lohnzettel am Ende des Monats haben werde, könnt ihr wie immer an bekannter Stelle zu bekannter Zeit nachlesen. Wünsche allen eine angenehme Woche. Euer Alex 26.01.- 31.01.04 Montagmorgen, wieder eine neue Woche im winterlichen Schottland. Entgegen meiner sonstigen Montagslethargie war ich diesmal recht früh auf den Beinen, da ich unbedingt an die Schule wollte, um ins Internet zu gehen, da ich zum einen etwas für die kommenden Unterrichtseinheiten vorbereiten und zum anderen meiner Michaela die notwendigen Daten für die Homepage senden wollte. Nachdem ich damit so gegen 13 Uhr fertig war, begab ich mich in den Supermarkt, um mir von meinen letzten 20 Pfund, die ich für diese Woche zur Verfügung hatte, meine Lebensmittel einzukaufen. Den Nachmittag verbrachte ich dann auf der Couch, mit einer Tasse Tee und einem guten Buch. Zur Zeit lese ich Emma von Jane Austen. Naja, nach Harry Potter dachte ich mir, dass es nun ein Klassiker der britischen Literatur sein sollte. Am Abend schaute ich dann fern bzw. telefonierte mit meinem Schatz im kalten Deutschland. Nicht das es bei uns in Schottland viel wärmer war, aber so eisig wie auf dem Kontinent ist es, dank des ozaenischen Klimas nicht. Der Dienstag fing wie immer zu unchristlicher Zeit um kurz nach 6.30 Uhr an, in der Schule angekommen, bereitete ich mich auf meine Stunde vor. Wie immer verging die Zeit sehr schnell und diesmal hatte ich einen ruhigen Tag und musste/durfte kein Kind rausschmeissen. Abends war ja wie so oft am Dienstag Schottenchat. Es freut mich immer wieder mittlerweile ein paar bekannte Stammgäste zu haben. Vielleicht kann man in Zukunft ja auch mehr als einen Chat-Termin finden. Vorschläge dazu dürfen gerne gemacht werden. Weiterhin freut es mich auch, dass es nun auf meiner Seite ein Forum gibt und sich doch schon einige Menschen daran beteiligen. Als ich dann vom Chat zuhause ankam, war Ruby schon in der Wohnung. Sie war am Abend aus ihrem Urlaub zurückgekommen. Natürlich hatte sie viel zu erzählen, so dass ich später als gedacht ins Bett kam. Der Mittwoch war dann noch ruhiger als der Dienstag, da ich nur zwei Schulstunden abzuhalten hatte, da eine der höheren Klassen ihr Examensergebnis erhielt. Nachmittags setzte dann hier der Schneefall ein, so dass ich die meiste Zeit in der Wohnung verbrachte und meinen Geist bei einer Tasse Tee mit Milch und etwas zu lesen, entspannte. Der Donnerstag verlief wie immer auch recht angenehm, was auch daran liegt, dass ich donnerstags nur höhere Klassen habe und ich mit denen einfach interessantere Themen besprechen kann und diese auch eher dazu tendieren ruhig, fast schon lethargisch zu sein, im Gegensatz zu den unteren Klassen, die manchmal mehr als nur lebhaft sein können. Im übrigen erhielt ich meinen Lohnzettel, auf dem leider immer noch die Steuer abgezogen war, so dass ich wohl noch einen weiteren Monat auf einen warmen Geldregen warten muss. Dennoch trübte dies meine Freude über das wieder gefüllte Konto nicht, so dass ich gleichmal einige Pfund unters Volk brachte und mir ein paar Garnelen für mein Pastagericht gönnte. Am Freitag blieb ich erstmal ziemlich lange im Bett, da man ja doch nicht so viel verpasst, wenn man an einem regnerischen Tag früh aufsteht. Am Abend schaute ich fern und telefonierte mit ein paar Freunden in Deutschland. Für Samstag hatte ich, in der Hoffnung das es nicht regnen würde, einen Ausflug geplant. Leider machte mir das schlechte Wetter einen Strich durch die Rechnung, so dass ich den Tag zum wiederholten Male in dieser Woche in meinen vier Wänden verbrachte. Glücklicherweise setzte der Regen am Abend aus, so dass ich mich mit ein paar Freunden in einem Pub treffen konnte. Insgesamt waren wir zwei Leute an diesem Abend, Nina und ich. Der Abend war dennoch sehr nett und wir unterhielten uns über so einige Dinge, schliesslich hat man sich ja viel zu erzählen, wenn man sich über sechs Wochen nicht gesehen hat. Nach einem erfrischenden Fussmarsch nach Hause, fiel ich dann hundemüde gegen 2 Uhr ins Bett. Am Sonntag öffnete ich so gegen 11 Uhr die Augen, bereitete mir ein typisch britisches Frühstück mit gebratenen Pilzen, Tomaten und Spiegelei, dazu Toast, O-Saft und Tee. Gründlich gestärkt schnürte ich dann meine Schuhe und machte mich auf den Weg in die Stadt, entlang am Water of Leith, vorbei am Mueseum of Modern Art, der Dean Gallery, dann musste ich aufgrund eine überfluteten Wegs, einen Umweg nehmen und kam so pünktlich in der Stadt im Internetcafé an. Dort verfolgte ich das Spiel meines KSC gegen Nürnberg, leider verloren die Blau-Weissen mit 2:0, nebenbei chattete ich natürlich mit meinem Engel in Deutschland. Am Abend ging es dann mit dem Bus wieder nach Hause. Zum Wochenausklang setzte ich mich auf die Couch und schaute mir auf Channel 4 "A life less ordinary" mit Ewan McGregor und Cameron (brrrrr) Diaz an. Ob das Wetter im Februar besser sein wird, ob ich mir in Zukunft den Besuch des Internetcafés sparen kann und was sich sonst noch im verregneten Edinburgh tut, könnt ihr wie immer nächste Woche hier erfahren. Tropfnasse Grüsse, Alex |

