Februar 2004

    
02.02.- 08.02.04

Am Montag bot sich leider das gleiche Bild wie am Wochenende. Kaum hatte ich meine Augen geöffnet, musste ich feststellen, dass es grauer und nasser Tag war. Dennoch machte ich mich nach einem kleinen Frühstück auf den Weg zum Supermarkt. Nachdem ich die wichtigsten Lebensmittel eingekauft hatte, begab ich mich zum Baumarkt, um mich nach einem Verlängerungskabel für mein Modem zu erkundigen. Leider gab es kein 15 Meter langes Kabel, so dass ich mir ein 5 und ein 10 Meter langes Kabel, sowie eine Weiche fürs Telefon kaufen musste. Nun fehlte mir nur noch die Zugangssoftware eines Providers in Grossbritannien. Glücklicherweise ist neben meinem Supermarkt auch ein Currys (Elektrogeschäft), dort bekam ich eine kostenlose CD mit der notwendigen Zugangssoftware. Und siehe da, 30 Minuten später war ich von zuhaus aus online und spare mir so in Zukunft den Weg und das Geld fürs Internetcafé. Einerseits schade, da der Kaffee dort wirklich gut war, andererseits gut, da ich nun täglich meine Mails abrufen kann.

Nach diesem Erfolg gönnte ich mir eine Tasse Tee und bereitete mit neu gewonnem Elan den Unterricht für die kommende Woche vor. Es standen Themen, wie beschreibe das Aussehen deiner Mitmenschen, im Restaurant und Zukunftspläne auf dem Programm. Gut vorbereitet ging es also am Dienstag an die Schule. Dort verliefen alle Stunden ohne besondere Vorkommnisse, so dass ich recht entspannt am Abend zum Chat gehen konnte. Am Mittwoch ging es dann wie immer pünktlich zur Kaffeepausenzeit an die Schule. So konnte ich meinen Tag entspannt im netten Gespräch mit meinen Kollegen starten und mich langsam auf das Grauen der folgenden Stunde vorbereiten. Natürlich erfährt man auch neben den neusten Insidergeschichten über den schottischen Fussball, auch interessantes über die Schule, so zum Beispiel, dass es bisher nicht möglich war die offene Stelle als Deutschlehrer an meiner Schule zu besetzen. Dies bedeutet für mich, dass ich nun mehr Vernatwortung habe, denn von dieser Woche an, unterrichte ich in einer Stunde eine vierte Jahrgangsstufe allein, es ist zwar ein Aufsichtslehrer da, der aber kein Deutschlehrer ist, so dass die Verantwortung bei der Vermittlung des Stoffs ganz allein bei mir liegt. Einerseits gut, denn diese Art von Unterricht entspricht schon eher der Realität als die sonstigen Gruppenarbeiten, die man als Assistant üblicherweise machen muss. An meinem Stundenplan hat sich glücklicherweise nichts geändert, so dass ich immer noch montags und freitags frei habe. Mal sehen wann eine neue Deutschlehrerin bzw. ein Deutschlehrer gefunden wird, denn dann ändert sich ja wieder einiges. Nachdem der Mittwoch somit voller neuer Informationen für mich war, verlief der Unterricht zum Glück sehr stressfrei, am Donnerstag konnte ich dann wieder meine Fähigkeiten als Lehrer unter Beweis stellen und in drei Stunden die verschiedensten Themen besprechen. Auch hier verlief alles sehr entspannt, so dass ich mich richtig auf den Abend freuen konnte

Auf dem Programm stand das Halbfinale des schottischen Liga-Pokals. Im Hampden Park trafen die Glasgow Rangers auf die Hibernians Edinburgh. Ich hielt natürlich zu den Hibs, wer mag denn schon die Seifenhasser aus Glasgow. Die erste Halbzeit verlief leider nicht so gut, denn obwohl die Hibs gut mitspielten, schoss Michael Mols die Rangers in Führung. Glücklicherweise vergaben die Rangers die schone die Führung auszubauen und versemmelten einen Elfmeter. In der zweiten Halbzeit setzten die Hibs alles auf eine Karte und spielten mit vier Angreifern, dieser Mut wurde belohnt und Steven Dobbie, traf zum 1:1 mit seiner ersten Ballberührung nach der Einwechslung. In der Verlängerung ging das Spiel hin und her, doch kein Team konnte den entscheidenden Treffer setzen. Das Elfmeterschiessen entschieden dann die Jungs der Hibs (Durchschnittsalter des Teams: 22 Jahre), für sich. Was für ein Jubel, nun spielen sie im Finale gegen Livingston und haben so die grosse Chance einen Pokal zu gewinnen und im nächsten Jahr im Uefa-Cup zu spielen. Nach diesem sehr spannenden Abend legte ich mich in mein Bett und wachte am nächsten Morgen erst sehr spät auf.

Am Freitag verbrachte ich einen sehr ruhigen Nachmittag, am Abend packte ich dann meine Sachen und machte mich auf den Weg nach Kirkcaldy, um Martin und Sinead zu besuchen. Nachdem ich die freitagabendliche Rushhour überstanden hatte und gut in Kirkcaldy angekommen war, musste ich erstmal was essen. Gegen 20 Uhr kam dann auch Paddy und nach ein paar kleinen Bier bei Martin ging es ins düstere Nachtleben Kirkcaldys. Den Anfang machte eine schicke Bar mit dem tollen Namen "Bar None", ziemlich auf Modern gestylt, aber dennoch ganz ok. Danach ging es in ein kleines Pub auf der anderen Strassenseite mit dem Namen "Penny Farthing". Der Name bezieht sich auf die Penny und zwei Pence Münzen, die bis 1958 in Grossbritannien verwendet wurden. Die zwei Pence Münze wurde Farthing genannt.

Nach einigen Bieren in diesem Lokal ging es dann in eine Karaoke-Bar, dort erreichte der Abend dann auch seinen Höhepunkt, als Paddy "I'm too sexy" zum besten gab. Wir kugelten uns vor lachen auf dem Boden. Aber auch sonst war die Stimmung dort sehr ausgelassen. Besonders bewundernswert fand ich ein altes Ehepaar, die Frau dürfte so Mitte siebzig gewesen sein und der Mann vielleicht zwei bis drei Jahre älter, aber sie sangen wirklich ein paar tolle Lieder. Am meisten war ich beeindruckt von "Old before I die" und "Some might say", denn scheinbar kannten die den Text, und boten eine Show, die zum Wegschiessen war. Als das Lokal dann um kurz nach 0 Uhr seine Pforten schloss, wanderten wir weiter durch die Nacht, und endeten im "Kitty's", einer Mischung aus Pub und Club. Diesmal war die Band leider nicht besonders gut, aber wir hatten ein paar nette Plätze in der Lounge, so dass wir den Rest der Nacht dort geniessen konnten, doch gegen 3 Uhr war auch hier Schluss und wir mit unserer Energie am Ende.

Müde wankten wir zurück zu Martins Wohnung. Nach einer unruhigen Nacht auf der Couch erwachte ich am nächsten Morgen gegen 10 Uhr, die Sonne schien, dennoch wünschte ich mir, es sei noch Nacht. Als erstes gönnte ich meinem eingerosteten Körper eine erfrischende Dusche, danach trank ich einige Liter Wasser und schaute Fern. Irgendwann stand dann auch Martin auf, ihm ging es auch nicht viel besser. Als er wach war, konnte ich endlich runter zum Pie-Shop und mir was zum Frühstück besorgen. Es war dort schon viel los, so entschied ich mir nur zwei Steak-Pies mitzunehmen. Während meines "Festmahls", kam dann Martins Schwester und lieferte Paul, den fünfzehnjährigen Neffen von Martin, ab. Dieser ging heute mit uns zum Fussball. Kurz nach 14 Uhr holte uns Paddy mit seinem Wagen ab, wir machten uns auf den Weg quer durch die Stadt zum Stadion der Rovers. Die Partie heute lautete Raith Rovers gegen Ross County. Um etwas Abwechslung zu haben, gingen wir diesmal auf die alte Tribüne, denn sonst war ich bisher auf der neuen Haupttribüne gewesen. Vor dem Spiel gab es wie immer einen Pie und Bovril. Dann kamen die Teams aufs Feld. Von Anfang an bestimmten die Rovers das Spielgeschehen und hätten in der ersten Hälfte mit mindestens zwei Toren führen müssen. So ging es aber mit einem null zu null in die Pause. Nach dem Seitenwechsel bot sich das gleiche Bild, die Rovers machten das Spiel, Ross County kam nur zu gelegentlichen Entlastungsangriffen, die aber keine echte Gefahr bedeuteten. Doch die Rovers agierten teilweise zu umständlich und auch unglücklich, denn einmal traf ein Stürmer freistehend nur den Pfosten. In der letzten Minute bekam dann auch dieser Stürmer die rote Karte wegen Meckerns. Das Spiel endete mit einem enttäuschenden Unentschieden, aber es war immerhin der erste Punkt der Rovers, den ich gesehen habe. Nächste Woche müssen sie zum Tabellenführer aus Inverness, da wird es wohl nix zu holen geben.

Nach dem Spiel machte ich mich dann auf den Weg zu meinem Auto, glücklicherweise hatte ich diesmal keinen platten Reifen und auch der Motor sprang sofort an. Auf dem Heimweg fing es dann an zu schneien, was ein schnelleres Fahren unmöglich machte und ich so nach einer Stunde in Edinburgh ankam. Zuhause wärmte ich mich mit einem Tee und telefonierte am Abend mit meinem Schatz. In den Schlaf las ich mich dann mit Emma von Jane Austen.

Was die letzte Woche vor den Schulferien so an Überraschungen bereit hält, ob Tony Blair am Ende der Woche noch Premierminister ist und warum der Winter endlich ein Ende finden soll, könnt ihr ab nächstem Dienstag hier erfahren.

Bis die Tage,

Alex


09.02.-15.02.04

Die letzte Schulwoche vor den Ferien fing sehr gemütlich an, denn dank eines freien Montags, konnte ich recht lange schlafen und mir ein gehaltvolles Frühstück gönnen, bevor ich dann mal ins Internet wollte, um meine Mails abzurufen. Gesagt getan, alle Kabel ordnungsgemäß verlegt und angeschlossen, doch es tat sich nichts. Mein Modem gab keinen Laut von sich und es kam ständig die Fehlermeldung, dass das Modem nicht korrekt mit dem Telefonanschluss verbunden sei. Etwas erstaunt überprüfte ich alle Anschlüsse, prüfte auch, ob mein Rechner das Modem erkennt usw. doch ich konnte den Fehler nicht finden. So stöpselte ich mal alles aus und versuchte über das Verlängerungskabel normal zu telefonieren, das ging. Also stand fest, dass der Fehler entweder im Kabel von Modem zum Verlängerungskabel liegt oder im Modem selbst. So schnappte ich das Modemkabel, rollte es ordnungsgemäß auf und begab mich zum Laden in dem ich alles gekauft hatte. Unterwegs machte ich schon mal eine Kalkulation, was mich das alles wohl kosten würde.

Im Laden angekommen, erklärte ich dem netten Mann an der Information mein Problem, dieser erwiderte, dass dies ein übliches Problem sei, da das Modemkabel ein Hochgeschwindigkeitskabel sei und etwas anders strukturiert als das übliche Telefonverlängerungskabel, bei längerer Benutzung kann es nun vorkommen, dass eines der Kabel im anderen einen Kurzschluss verursacht. Um dies zu umgehen, sollte man das Modemkabel direkt in die Anschlussbox an der Wand stecken. Da erklärte ich dem netten Herren, dass mein Modem leider 15 Meter von der Box entfernt ist und ich keine andere Möglichkeit habe. Er verstand mein Problem, konnte mir aber nicht viel weiter helfen, immerhin gab er mir ein neues Modemkabel, für das ich nichts zahlen musste. Zuhause schloss ich alles wieder an und siehe da, es funktionierte und ich war wieder online. Glücklich darüber, dass ich keine ungeplanten Kosten hatte und ich nun wieder mit meiner Flela chatten konnte, verbrachte ich den halben Tag und Abend im Internet.

Natürlich nutze ich das Internet auch für die Unterrichtsvorbereitung, auf den Seiten des Goethe-Instituts unter www.goethe.de findet man einige Anregungen, aber auch Online-Wörterbücher und anderes sind immer sehr hilfreich. Am Mittwoch sollte ich meinen Advanced Higher Schülern, das Reformprogramm Agenda 2010 erklären, welche Gründe für die Notwendigkeit einer Reform in Deutschland vorhanden sind usw. Für so ein Thema ist das Internet natürlich eine unumgängliche Hilfe. Am Dienstag hatte ich einen sehr angenehmen Schultag, in der vierten Stunde hatte ich eine Klasse des vierten Jahrgangs, mit diesen behandelte ich das Thema Jugend und Jugendkultur, zum Abschluss hörten wir uns in dieser Stunde das Lied "An Ende denken wir zuletzt" von den Sportfreunden Stillern an. Die Texte drucke ich den Schülern aus, und gemeinsam besprechen wir dann die Thematik des Songs. Am Abend war dann Schottenchat, der diesmal recht amüsant war und nach dem Chat war bei mir Fernsehabend mit Wasser und Chips, denn es kam "Something about Mary"! Mit einem schmerzenden Bauch, weil ich so viel lachen musste, ging es dann ins Bett, da ich ja am Mittwoch die schwierige Stunde über die Agenda 2010 zu halten hatte.

Gut vorbereitet startete ich meinen Unterricht zum Thema Reformen in Deutschland. Meine Schüler verstanden es sogar einigermassen, so dass ich zurecht stolz auf mich sein konnte. Eine weitere Stunde am heutigen Tag befasste sich mit dem Valentinstag und dem Thema Liebe, so dass ich dort zum Abschluss und weil es die letzte Stunde vor den Ferien war, mit der Klasse das Lied "Für Dich tu ich fast alles" in der Version der Sportfreunde anhörte. Der Mittwochabend verlief dann eher sehr, sehr ruhig, so dass ich am Donnerstag frisch und munter um 8 Uhr in der Schule war. Mein letzter Arbeitstag vor den Winterferien, oder offiziell "mid-term break". Gut gelaunt gestaltete ich alle meine Stunden sehr locker, mit einem fünften Jahrgang besprach das Thema "Heimat" und so bot es sich an, in dieser Stunde wieder ein Lied der Sportfreunde zu hören und es gemeinsam mit der Klasse zu besprechen. Mit dem Heimatlied hatte ich einen passenden Song, der eben Heimat nicht als eine Nation sieht, sondern als einen Ort, an dem man sich wohl fühlt, oder wo sich die Freunde befinden. Dies diskutierte ich mit meinen Schülern, wobei der Unterricht aufgrund der Thematik zur Hälfte in Deutsch und Englisch stattfand. Nach der Schule ging es dann nach Hause und in meine wohlverdienten Ferien.

Der Donnerstagabend war für mich perfekt zum Ausruhen, da das Wetter miserabel war und auch sonst nichts besonderes auf dem Terminplan stand. Freitags wollte ich eigentlich ausschlafen, da ich wusste, dass Flela beim Rundfunk war, um die Sportfreunde Stiller zu treffen, dachte ich auch, dass sie meine Mails usw. so oder so nicht lesen kann. Doch als ich mich gerade umgedreht hatte, rief jemand auf meinem Handy an, es war mein Schatz, der fragte, ob ich kurz Zeit habe. Ich antwortete, dass ich noch im Bett sei, aber ok. Kurze Zeit später rief dann die Moderatorin von "Unser Ding" an, um mir ein paar Fragen zu stellen, mit Bezug auf meine Arbeit hier in Schottland und den Sportfreunden. Diese Fragen wurden später auch im Studio im Interview mit den Sportis verwendet. Einen Ausschnitt des ganzen gibt es auf meiner Seite zum Download. Das Treffen war offenbar sehr gut, denn Flela war am Nachmittag noch ganz aus dem Häuschen. Wie das Treffen so verlaufen ist, und warum die Sportfreunde einfach super nette Kerle sind, kann man nun auch auf meiner Seite nachlesen. Nach diesen ganzen Ereignissen bin ich erstmal in den Supermarkt, um mir mein Supper einzukaufen.

Wieder in der Wohnung angekommen, las ich erstmal die Evening News und trank eine heisse Tasse Tee, dazu speiste ich einen Chelsea Bun, zu vergleichen mit einem Stück Hefezopf mit Nuss und Rosinen. Am Abend verfolgte ich dann die Niderlage meines KSC im Internet, gleichzeitig bekam ich wie immer die aktuellen Eindrücke aus dem Stadion von Christoh per SMS mitgeteilt. Etwas enttäuscht über das verlorene Spiel legte ich mich schlafen und wachte am nächsten Morgen früh auf, da ich bei gutem Wetter wandern wollte und bei schechtem Wetter in die Stadt. Die äüßeren Umstände liessen mir keine Wahl und so machte ich mich nach einem gediegenen Frühstück auf den Weg in die Stadt. Heute wollte ich mir mal etwas Kultur und Geschichte näherbringen und bewegte mich in Richtung Museum of Scotland und Royal Museum. Das Museum of Scotland ist das jüngere von beiden und wurde im Jahr 1998 von der Queen eröffnet. Im Jahr 2001 erhielt es den Award als bestes Museum Europas. Dementsprechend gross war auch meine Erwartung.

Das Museum beschreibt die Geschichte Schottlands von der Uhrzeit an bis zur Gegenwart. Das Museum hat sechs Stockwerke und somit ist es auch in sechs Bereiche oder besser gesagt, Zeitzonen eingeteilt. Im Kellergeschoss befinden sich die Anfänge, d.h. die Bildung der Insel, Geologie und das Leben vor den Menschen. Der zweite Abschnitt befasst sich dann mit den ersten Menschen von 8000 v.Chr. bis 1100 n.Chr. Dort ist vor allem der Einfluss der Wikinger und anderen Nordmännern, sowie das Erbe der römischen Besatzer beschrieben. Im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss ist dann die Zeit von 900 bis 1707, "The Kingdom of Scots" dargestellt. Hier wird Schottlands Weg zu einer unabhängigen Nation beschrieben, Schottlands Handel, Kriege, Künste und Kultur, die Religionen und die Zeit der Reformation. Im dritten Stockwerk wird die Zeit nach 1707 bis zum 19. Jahrhundert illustriert. Schottland in der Union, die Union von englischem und schottischem Parlament und die industrielle Revolution in Schottland. Sowie die Aufständer der Jakobiner, vor allem der letzte Versuch unter Bonnie Prince Charlie, 1745, der kläglisch scheiterte. Im vierten und fünften Obergeschoss kann man dann vor allem das Zeitalter der Industrialisierung bis zum frühen 20. Jahrhundert verfolgen. Themen wie Eisenbahn, Maschinebau, Schiffsbau, die Whiskyherstellung und viele andere Industriezweige werden hier anschaulich dargestellt.

Das letzte Stockwerk widmet sich dann der Moderne, Schottland im 20. Jahrhundert, Fussball, Irn-Bru und das eigene Parlament sind nur einige der Themen, die hier behandelt werden. Ich selber fand den Aufbau des Museums sehr durchdacht und es wurde mir zu keiner Zeit langweilig, nach dem ich nun mein Wissen über Schottland aufgefrischt hatte, ging es dann zum Royal Museum weiter. Über einen Zwischenraum, der beide Museen verbindet betritt man dann das alte viktorianische Gebäude in dem sich das Royal Museum befindet. Das Museum hat nur drei Stockwerke, in denen man die verschiedensten Ecken der Erde besuchen kann, egal ob Indien, Asien oder Afrika, aus allen Teilen der Welt sind hier Exponate zusammengestellt und man kann wirklich einiges über die Welt in der wir leben erfahren. Daneben gibt es eine riesige Ausstellung über das Tierreich, alle erdenklichen Arten von Tieren sind hier als ausgestopfte Exponate zu bewundern. Am eindrucksvollsten war für mich das Skelett eines Blauwals. Ein weiteres interessantes Ausstellungsstück ist die "Milleniums Clock", die in der Haupthalle steht. Sie ist in 4 Abschnitte unterteil. The Crypt, the Nave, the Belfry and the Spyre. In der Crypt wird die Uhr von einem ägyptischen Äffchen angetrieben, im Nave sieht man Leute, wie Du und ich, gefangen im Lauf der Zeit. Über uns die Figuren von Lenin, Stalin und Hitler, die den Pendel schwingen, der von der Figur des Todes umklammert wird. Im Belfry sind 12 Figuren, jede steht für einen Monat des Jahres. An der Spitze ist eine Frau, die einen toten Mann trägt. Sie ist Symbol für Trauer und Mut.

Nach etwas mehr als vier Stunden machte ich mich voller neuer Eindrücke auf den Heimweg. Ich kann einen Besuch in diesem Museumskomplex nur empfehlen, denn selten bekommt man auf so engem Raum so viele Informationen. Eine Selbstbeschreibung der Museen lautet: Das Museum of Scotland zeigt der Welt Schottland und das Royal Museum zeigt Schottland die Welt. Ich finde, dies ist eine gelungene Zusammenfassung. Am Abend war ich dann so erledigt, dass ich nicht mehr viel unternahm und zeitig ins Bett ging, da am Sonntag ja die Geburtstagsparty von Ruby anstand. Sonntagmorgen, entgegen meiner üblichen Sonntagsmüdigkeit war ich diesmal erstaunlich fit und so machte ich mich nach einem kleinen Frühstück ans Aufräumen. Nachdem ich die Wohnung gesaugt und Ruby etwas in der Küche geholfen hatte, setzte ich mich dann vor den Fernseher, denn es war mal wieder grosser Fussballnachmittag, zur Mittagszeit trafen in der fünften Runde des FA-Cups Arsenal London und Chelsea aufeinander.

Es war ein spannendes Spiel, Chelsea führte bis zur 56. Minute dann schoss sich der junge Spanier Reyes mit einem fulminanten Treffer in die Herzen der Arsenalanhänger und nur fünf Minuten später erlegte er Chelsea mit einem eiskalten Tor zur Führung. Arsenal zog somit verdient in die nächste Runde. Direkt im Anschluss wurde dann das Edinburgh-Derby zwischen den Hibs und den Hearts gezeigt. das Spiel war geprägt von Kampf und hartem Einsatz, die Hearts kamen besser ins Spiel doch zwingende Chancen ergaben sich nicht, dafür fasste sich dann in der 35. Minuten Derek Riordan ein Herz und hämmerte den Ball aus knapp 25 Metern in die obere Ecke des Gehäuses von Hearts-Keeper Gordon. Wahrscheinlich wird dies das Tor des Jahres in Schottland. Mit einer 1:0 Fürung ging es für die Hibs in die Pause, doch schon 50 Sekunden nach Wiederanpfiff bekamen die Hearts einen klaren Elfmeter zugesprochen, den ihr Kapitän Pressley sicher verwandelte. In der zweiten Halbzeit ging das Spiel hin und her, doch beim Abpfiff stand es 1:1 und die Punkte wurden geteilt. Nach dem Fussball war dann für mich Party-Time, gegen sieben Uhr trudelten dann die ersten Gäste ein. Als alle da waren, konnte man getrost sagen, dass sich hier die Welt traf, denn nicht weniger als sieben Nationen hatten sich eingefunden. Die Party war recht amüsant, im Hintergrund lief brasilianische Musik und es gab Chickenwings, Sandwiches und jede Menge Wein. Gegen Mitternacht verliessen uns dann die letzten Gäste und gemeinsam mit Kirsty und Ruby räumte ich die Wohnung und vor allem Küche auf. Nachdem wir um 1 Uhr fertig waren, gönnte ich mir ein Glas Baileys mit Eis und hörte mir den Soundtrack zu Nick Hornbys Buch "31 Songs" an. Aber um kurz nach 2 Uhr war dann auch bei mir Schluss.

Ob ich am nächsten Morgen einen Hang-over hatte und wie sich meine Ferienwoche so gestaltet, könnt ihr auch in der nächsten Woche an bekannter Stelle nachlesen.

Verregnete Grüsse,

Alex


16.02.- 21.02.04

Montagmorgen nach einer recht langen Party, dementsprechend fühlte ich mich. Aber so gegen 11 Uhr kamen meine Lebensgeister zurück und ich konnte den Grauen des Alltags entgegenblicken. Nach einem stärkenden Frühstück musste ich leider feststellen, dass der Wochenbeginn ein sehr verregneter war. So entschloss ich mich zunächst nur zum Supermarkt zu fahren und die Lebensmittel für die kommende Woche zu kaufen. Als dies erledigt war und die Sonne doch noch zwischen ein paar Wolken zum Vorschein kam, machte ich einen kleinen Spaziergang durchs Viertel. Gegen Abend bereitete ich dann mein Abendessen vor und machte es mir vor dem Fernseher bequem.

Da diese Woche eine Ferienwoche war und ich am Dienstag nicht an die Schule musste, konnte ich meine lange vorbereiteten Plan, einen Frisör aufzusuchen, endlich in die Tat umsetzen. So machte ich mich gegen 10 Uhr auf den Weg einen Hairdresser oder Barbershop in meiner Nähe zu finden. Mein erster Weg führte mich nach Blackhall und dort zu meiner Filiale der Bank of Scotland. Nein, ich wollte mir die Haare nicht von einer der dort angestellten Damen schneiden lassen, sondern lediglich ein paar Pfund abnehmen, äh, abheben. Danach ging ich eine Tür weiter zu Arnold's Hairdresser. Der Laden machte einen sehr modernen, um nicht zu sagen trendy styled, Eindruck. Dementsprechend waren auch die Preise, so dass ich schnell wieder auf dem Fussweg zu einem anderen Laden machte. Nach dieser Erfahrung, wollte ich nun einen Barbershop aufsuchen. Dank meines guten Gedächtnisses wusste ich, dass ich auf meinem Weg zum Royal Botanic an einem solchen vorbeigekommen war. So lief ich in Richtung des botanischen Gartens und kurz nach dem Safeway war dann auch der Frisör. Für sechs Pfund verpasste mir ein netter alter Herr einen passablen Kurzhaarschnitt. Am Nachmittag bereitete ich mir wie immer was leckeres zum Essen zu, um am Abend gestärkt dem Schottenchat beizuwohnen. Dieser war wie immer sehr lustig und unterhaltsam.

Für Mittwoch hatte ich eine Ausflug zusammen mit Thomas nach Dundee geplant. Um 10 Uhr trafen wir uns an der Waverly Station. Schnell die Tickets gekauft und wenige Minuten später sassen wir im Zug gen Norden. Unterwegs unterhielten wir uns über den vergangenen Monat an der Schule, da wir uns schon länger nicht mehr gesehen hatten. Der Tag war einfach herrlich, es war ein strahlend blauer Himmel und richtig angenehm. Nach etwas mehr als einer Stunde überquerten wir die Tay Rail Bridge. Diese wurde 1878 fertiggestellt, doch knapp ein Jahr später ereignete sich dort eine Katastrophe, denn in einer Sturmnacht brach die Brücke zusammen und niemand konnte den Zug, der in Richtung Brücke unterwegs war alamieren, so dass er in die Tiefen des Firth of Tay stürzte und alle 75 Passagiere und Angestellte mit in den Tod riss. Im Jahr 1887 wurde die Brücke ausgebessert und steht heute noch und ist mit über 3 km eine der längsten Eisenbahnbrücken in Europa. In Dundee angekommen, liefen wir erstmal ein bisschen durchs Stadtzentrum, dass nun nicht sonderlich viel zu bieten hat, aber dennoch ganz nett anzuschauen ist. Nach dem vielen Fahren und Laufen hatten wir etwas Hunger, so machten wir uns auf die Suche nach einem günstigen Speiselokal. Glücklicherweise fahnden wir ein Pub, das zur Wetherspoon-Kette gehört, somit war das Preis-Leistungsverhältnis gerettet. Im Counting House machten wir es uns an einem Tisch bequem und ich odertete dann unser Essen. Frisch gestärkt besuchten wir nun die McManus Gallery. Dort besichtigten wir einige wunderschöne Exponate schottischer Künstler. Es gab auch eine interessante Ausstellung zur Geschichte Dundees und Umgebung. Mit so viel neuen Eindrücken und Wissen ging es dann hinauf zum Law Hill, einem Vulkanhügel, ähnlich dem Arthur's Seat in Edinburgh, der Dundee überblickt und von dem man eine wundervolle Aussicht auf den Firth of Tay, die Tay Bridges, nach Fife und ins Hinterland von Dundee hat. Der Aufstieg ist nicht ganz so anstrengend wie der zum Arthur's Seat, aber die Sicht ähnlich beeindruckend. Nach einem minder schweren Abstieg gönnten wir uns vor der Abfahrt ein weiteres Pint in einem Pub und dann machten wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof, um von dort mit der Bahn zurück über die Tay Bridge und durch Fife nach Edinburgh zu fahren.

Am Donnerstag schlief ich dann erstmal rchtig aus, da ich am Nachmittag etwas für die Schule vorbereiten wollte, da ab dem Wochenende meine Freundin hier sein wird und ich dann dafür keine Zeit mehr haben würde. Am Abend hatte war ich zum Dinner bei meinem Chef eingeladen. Da dieser in Livingston wohnt wurde ich zusammen mit Olivier, dem französischen Assistant an meiner Schule, von Colin abgeholt. Kurz nach 7 Uhr abends stand Olivier vor meinem Haus und wenige Minuten später sassen wir in Colins Wagen und waren auf dem Weg nach Livingston. Das Dinner war sehr lecker, als Entreé gab es kleine mit Lachs oder Pilz gefüllte Teigtaschen, dazu Champagner. Danach begaben wir uns vom Wintergarten ins Esszimmer, dort erwartete uns eine sehr deliziöse Vorspeise, Gänseleberpastete an knackigem Salatmix, dazu Rotwein und Weissbrot. Die Hauptspeise war dann eine sehr leckere Pasta, mit Lauch-Schinken-Sahnesauce. Den Abschluss bildete eine feine Käseplatte, dazu Cracker und als Desert gab es Schokoladenpudding mit Vanilleeise. Gut gefüllt ging es dann um Mitternacht nach Hause.

Da ich am Freitag die Wohnung aufräumen wollte, konnte ich leider nicht so lange im Bett liegen bleiben wie ich es gerne gewollt hätte. Gegen 10 Uhr gab es kein Erbarmen, nach einem schnellen Frühstück schnappte ich mir das Putzzeug und brachte das Badezimmer auf Hochglanz. Als dies erledigt war, unterzog ich mein Zimmer einer Grundsanierung. Ziemlich erledigt gönnte ich mir dann eine kleine Pause am Mittag und kochte mir etwas zu Essen. Den Nachmittag über ruhte ich dann aus, las in Emma und trank Tee. Am Abend telefonierte ich noch einmal mit meinem Schatz. Am Samstag war es dann endlich so weit, ich würde sie wieder sehen.

Endlich Samstag. Aus lauter Freude konnte ich gar nicht so lange schlafen. Nach einem leckeren Frühstück fuhr ich mit meinem Wagen zur Tankstelle, nochmal den Tank gefüllt und das Auto einmal gewaschen, damit mein Schatz auch in einem sauberen Fahrzeug nach Edinburgh fährt. Kurz nach halbzwei machte ich mich dann auf den Weg nach Prestwick. Es war ein recht sonniger Tag, so dass ich wirklich gut gelaunt war und mich schon total auf Michaela freute. Die erste Hälfte der Strecke bis kurz vor Glasgow war sehr locker, doch in Glasgow erwartete mich dann der erste Stau auf der Stadtautobahn, als ich diesen hinter mir gelassen hatte und im Rückspiegel die letzten Häuser von Glasgow verschwanden, kam das nächste Hindernis. Die Strecke von Glasgow über Kilmarnock nach Prestwick glich einer einzigen Baustelle, dementsprechend langsam ging es voran. Trotzdem erreichte ich den Flughafen mehr als pünktlich, so dass ich dort noch Zeit für einen Kaffee hatte. Zum Glück hatte die Maschine aus Deutschland keine Verpätung, so dass ich um kurz nach 16 Uhr meinen Schatz in den Armen halten konnte. Es war einfach wunderschön sie nach so langer Zeit wiederzusehen. Mit ihr waren noch ihre Schwester Sonja nebst Freund. Diese blieben aber die ersten zwei Tage in Glasgow, da in Edinburgh alle Unterkünfte am Wochenende aufgrund des Rugby-Spiels Schottland gegen England ausgebucht waren. So verabschiedeten wir uns auch schon nach wenigen Minuten von ihnen, und fuhren im Abendsonnenschein nach Edinburgh. Knapp zwei Stunden später trug ich die Reisetasche meiner Freundin in mein Zimmer. Es war ein wunderschöner Abend.

Wie die Woche mit meiner Freundin so verlaufen wird. Ob ihre Schwester Sonja und deren Freund Christoph unbeschadet aus Glasgow in Edinburgh ankommen und was sich sonst so in der letzten Februarwoche in Schottland ereignet, könnt ihr dann Mitte nächster Woche hier nachlesen.

Tschüss,

Alex


22.02.- 29.02.04

Sonntag, Tag Eins einer der schönsten Wochen, die ich bisher in Edinburgh erleben konnte, denn mein Schatz Flela war bei mir. So drehte ich mich am frühen Sonntagmorgen um, und statt der üblichen Leere auf der anderen Bettseite lag Michaela. Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es dann zu einem ausgedehnten Sonntagsspaziergang. Das Wetter war ganz gut, es war sonnig und eisig kalt. Dick eingepackt liefen wir den kleinen Weg vom Holiday Inn bis zum Startpunkt des Water of Leith Walkway. So konnte ich meinem Schatz einen Teil meines Wohngebiets zeigen und zugleich den Spazierweg, den ich nun schon viele Male gelaufen war. Am Water of Leith fielen Michaela sofort die vielen wild wachsenden Schneeglöckchen und Krokusse auf. Nachdem wir die Rückseite der National Gallery of Modern Art und Dean Village hinter uns gelassen hatten, wurde es uns so langsam kalt, so dass wir im Starbucks Café in Stockbridge einen kleinen Stopp einlegten, um uns bei einer Tasse Milchkaffee und heisser Schokolade aufzuwärmen. Danach ging es uns gleich viel besser und so gestärkt und aufgewärmt machten wir uns auf die zweite Hälfte unseres Weges. Je weiter wir nach Norden kamen und je näher wir Leith und dem offenen Wasser kamen, desto kälter und windiger wurde es. Mir selber machte es nicht so viel aus, aber mein Schatz war nach diesem 10 Kilometer langen Fußmarsch doch müde und wollte wieder ins Warme. So passierten wir im Laufschritt das Ocean Terminal und fuhren dann mit dem Bus zurück in die Stadt. Ich selber musste nun langsam der Flasche Wasser und dem Kaffee Tribut zollen und konnte es kaum erwarten die heimische Toilette zu erreichen, doch davor hatte der Herr das nicht enden wollende Warten auf den Bus gesetzt. Zuhause angekommen ruhten wir uns kurz aus und nach einem kleinen Abendimbiss ging es mit dem Bus in die Stadt, da ich noch Lust auf ein Bierchen hatte und mit meinem Schatz noch ein wenig in einer Bar abhängen wollte. Unser Ziel war zunächst Finnegan’s Wake, doch dort war es sehr voll und verraucht, so dass wir unser Glück im Frankensteins versuchten. Dort bekamen wir sogar einen Sitzplatz und ich konnte mein Guinness in Ruhe genießen. Nach einer Runde über den Grassmarket ging es dann mit dem Bus nach Hause und dort direkt ins Bett, da wir beide doch sehr müde waren.

Am Montag klingelte uns der Wecker um kurz vor acht Uhr aus den Träumen. Etwas verschlafen bereitete ich unser Frühstück vor. Danach schleppten wir uns zu meinem Auto und dann ging es auch schon los in Richtung Norden zur Forth Road Bridge, die Edinburgh mit Fife verbindet. Es war ein sehr sonniger Tag und man hatte eine wunderschöne Sicht über den Firth of Forth und auf die Forth Rail Bridge. Von dort ging es über die M90 auf die A92 in Richtung Kirkcaldy, doch diesmal ließ ich die Ausfahrt hinter mir und fuhr auf die A915 in Richtung St. Andrews, dem Ziel unseres Ausflugs. St. Andrews ist nicht nur Heimat des Golfsports, sondern nach Edinburgh die am meisten besuchte Stadt Schottlands. Dort angekommen stellten wir meinen Wagen in der Nähe der Küste ab und liefen hinunter zum Strand. Die Seeluft war herrlich erfrischend und meine Flela begab sich sofort zur Muschelsuche. Nachdem wir eine gute halbe Stunde am Strand verbracht hatten, ging es dann zum Hafen. Dort wanderten wir entlang der Kaimauer und ließen uns den Wind um die Nase wehen. Danach führte uns unser Weg vom Hafen, über die Kathedrale zum Stadtzentrum. Die Kathedrale war, vor ihrer Zerstörung in der Reformation, einst mit 102 Metern Länge und 49 Metern Breite das größte Gotteshaus in Schottland. Angeblich wurden die Gebeine des Apostels Andreas an diesen Ort gebracht und verliehen so der Stadt ihren Namen. Nach einem kurzen Spaziergang über den Hof der Kathedrale machten wir in einem kleinen Buch- und Kaffeeladen Pause und wärmten uns bei Kaffee und heisser Schokolade auf.

Der Laden hieß Ladyhead Bookshop & Coffeeshop und wurde von drei netten alten Damen betrieben. Auf dem Weg zum Stadtzentrum kamen wir am einzigen alten, noch erhaltenen Gebäude der Universität vorbei, der Kirche St. Salvator. St. Andrews hat die drittälteste Universität Großbritanniens und eine lange geistige Kultur. Das Stadtzentrum selbst ist klein und überschaubar, aber sehr nett, auch wenn man im Schaufenster einer ansässigen Metzgerei, neben Bergen von Haggis auch ganze Rinderhälften hängen sehen kann. Von St. Andrews aus machten wir uns über die Fife Küstenstrasse auf den Weg zurück nach Edinburgh. Dort passierten wir viele kleine malerische Fischerorte wie Crail oder Arnstruther. An einem besonders schönen Eck machten wir noch einmal halt und liefen ein Stück zur Küste, dort standen zwei Leuchttürme dicht beieinander, ein sehr alter, der nicht mehr in Betrieb ist, da er mehr einer Ruine gleicht, und ein neuerer Turm. Der Wind pfiff über die Küstenlandschaft, doch das hielt uns nicht davon ab nach ein paar Muscheln zu suchen. Der restliche Weg bis nach Edinburgh verlief dann recht unspektakulär wieder über die Autobahn und zurück über die Forth Road Bridge. In Edinburgh angekommen ging es als erstes zum Sainsbury’s, da wir noch für Abendessen und Frühstück einkaufen mussten. Dies war der erste Besuch meiner Freundin in einem schottischen Supermarkt und es schien ihr zu gefallen, denn sie wollte fast gar nicht mehr weg. Als ich sie dann doch mit Engelszungen überredet hatte, ging es schnell nach Hause. Dort bereiten wir unser Abendessen, Gnochi mit Shrimps in Pesto zu, und machten uns dann auf den Weg in die Stadt, wo wir Sonja, Michaelas Schwester, und deren Freund Christoph treffen sollten, die nun endlich in Edinburgh angekommen waren. Pünktlich auf die Minute trafen wir uns am Scott Monument. Von dort ging es ins Gilford Arms, einem gemütlichen Pub neben in der Register Street, einer kleinen Seitenstrasse der Princes Street. Nach einer Runde Bier dort machten wir dann noch einen Abstecher ins Jekyll&Hyde, da ich dieses unbedingt meiner Freundin und den anderen zeigen wollte. Die Einrichtung und die Atmosphäre gefielen ihnen sofort. Besonders die Froschschenkel auf der Speisekarte hatten es Sonja angetan, leider war die Küche an diesem Abend schon geschlossen. Danach ging es für Michaela und mich mit dem Bus nach Hause.

Für Dienstag war eine Tour nach East Lothian und die dort ansässige Destille angesagt, deshalb wurde auch an diesem Morgen nichts mit ausschlafen. Laut meinem Reiseführer öffnet die Destille ihre Pforten um 10 Uhr. So standen Michaela und ich um kurz nach acht Uhr auf, da wir um 10 Uhr Sonja und Christoph abholen wollten. Ich wollte rechtzeitig losfahren, da wir quer durch die Innenstadt von Edinburgh fahren mussten, um von mir bis zum Calton Hill zu kommen, wo die Herberge von den beiden war. Fast pünktlich kamen wir dort an und so ging es gut gelaunt in Richtung Südosten. Nachdem Edinburgh hinter uns lag, fuhren wir auf der A1 Richtung Berwick-up-on-Tweed, um schon nach wenigen Minuten die Ausfahrt in Richtung Pencaitland zu nehmen, wo sich die Destille befinden sollte. Um kurz nach 11 Uhr fuhren wir auf den Parkplatz der Glenkinchie Destillery. Leider war sie noch verschlossen und öffnete erst um 12 Uhr ihre Türen für Besucher, so dass wir einen kurzen Spaziergang durch die landwirtschaftlich geprägte Umgebung von East Lothian machten. Pünktlich um 12 Uhr enterten wir dann das Besucherzentrum der Destille, dort zahlten wir die vier Pfund eintritt und machten uns auf den Weg zu einem Ausstellungsraum, in dem die Geschichte es Whiskys erklärt wird und einiges über die Whisky Produktion in East Lothian und Schottland insgesamt erzählt wird. Danach wurden wir von einer sehr netten alten Dame in Empfang genommen, die uns die nächste Stunde fachkundig durch die Destille führen sollte. Es war schon beeindruckend das alles mal hautnah zu erleben und zu sehen. Nach etwas weniger als einer Stunde kamen wir dann zum Ende der Führung und begaben uns in das Probierstübchen. Dort gönnten wir und einige edle Tropfen, und dank der Erklärungen der netten Dame, fielen uns die Unterschiede zwischen Whisky der Highlands, den Inseln und der Lowlands auf, sowie der Unterschied, wenn man ihn pur trinkt oder mit etwas Wasser verdünnt. Dann probierten wir noch einen Grain Whisky, der nicht aus Malt gebrannt wird, dieser schmeckt vollkommen anders, viel schärfer und weniger weich als ein Malt Whisky.

Voller neuer Eindrücke und Einblicke in den schottischen Whisky machten wir uns dann auf den Weg nach North Berwick, einem kleinen Küstenort am Firth of Forth von leicht verstaubter viktorianischer Pracht mit feinen Sandstränden. An der Auld Kirk parkten wir unseren Wagen und liefen zum Stadtzentrum, da wir alle doch etwas hungrig waren und ich vor allem den Genuss von fünf verschiedenen Whisky so langsam merkte. In einem kleinen Restaurant mit dem Namen, Miller’s Bistro, befriedigte ich meinen Hunger mit einer Baked Potatoe mit „Chili con Katze“-Füllung, Wasser und einem Espresso. Flela und Sonja aßen auch Baked Potatoes, Christoph gönnte sich ein Steak Pie und als Nachspeise einen Scone mit Butter and Jam. Von North Berwick aus fuhren wir in Richtung Osten und Küste, da wir zum Tantallon Castle wollten, einer Burgruine aus dem 14. Jahrhundert, die durch ihre Lage auf einem Küstenvorsprung schwer einzunehmen war. Leider waren wir etwas zu spät, da die Besucherzeit schon vorbei war, so dass wir über die East Lothian Küstenstrasse entlang des Firth of Forth nach Edinburgh fuhren. In Cockenzie und Port Seton machten wir kurz Halt an der Küste und genossen die untergehende Sonne und den Blick über die beruhigende Wellen des Firth of Forth. In Edinburgh angekommen, ging ich mit Sonja einkaufen, da wir in meiner Wohnung gemeinsam zu Abend essen wollten. Nachdem wir alle Zutaten eingekauft hatten, bereitete ich unter Mithilfe von Christoph das Essen vor, es gab Salat mit Kräuterbaguette und als Hauptspeise, Tagliatelle mit einer Lauch-Speck-Sahnesauce. Gegen 21 Uhr verabschiedeten wir uns von Sonja und Christoph und ich schaute mir mit Michaela noch einen Film an, Calendar Girls, ich amüsierte mich sehr gut und Michala konnte in Ruhe in meinen Armen schlummern.

Am nächsten Tag waren dann leider meine Ferien vorbei und ich musste zur Arbeit, nachdem mein Schatz meinen kompletten Morgen in Bildern festgehalten hatte, verließ ich gegen 10 Uhr das Haus. Der Schultag verlief recht unspektakulär, auch wenn ich es kaum erwarten konnte wieder zuhause und bei meinem Schatz zu sein. Dort angekommen, erwartete mich Flela mit einer Überraschung, denn sie war ganz allein in die Stadt gegangen und hat mir von dort einen Straßenatlas von Großbritannien mitgebracht, den ich unbedingt haben wollte. Ich war super glücklich und so gingen wir gut gelaunt gemeinsam einkaufen, denn am Abend sollte es frischen Fisch geben. Nach dem Essen war ich noch kurz mit meinem Schatz im Internet, um die aktuellen Champions League Resultate zu erfahren, dann ging es aber auch flott ins Bett, da ich am Donnerstag wieder früh arbeiten musste.

Der Tag war noch sehr jung und ich schon auf den Beinen, mein Schatz blieb noch im Bett, doch als ich so am Frühstücken war, gesellte sie sich zu mir. Ich fuhr dann um acht Uhr in Richtung Craigmount High School und wünschte meinem Engel einen schönen Tag. In der Schule hoffte ich, dass der Tag schnell vorbei gehe, da ich doch zuhause bei Michaela sein wollte. In der Wohnung angekommen, überraschte mich mein Schatz diesmal mit einer kulinarischen Köstlichkeit, sie bereitete für uns ein Schaumomelett, das wir zusammen mit heisser Schokolade verspeisten. Danach ging es wieder in den Supermarkt, denn als Abendimbiss sollte es gefüllte Riesenchampignons an Salat geben. Wir bekamen auch alle Zutaten, leider lief uns die Zeit etwas davon, da wir für acht Uhr abends mit Nicole, einer Bekannten von uns, verabredet waren. Aber wir schafften es und kamen pünktlich auf die Minute am vereinbarten Treffpunkt an. Als erstes machten wir Station im „Dome“, einer Bar, die in einer ehemaligen Kirche und späterem Versammlungsgebäude untergebracht ist. Das Ambiente ist einzigartig, vor allem die hohe Decke mit der gläsernen Kuppel wirkt beeindruckend. Beeindruckend sind auch die Preise, für ein normales Pint Lager zahlt man dort 3,10 Pfund!!! Freundlicherweise übernahm Nicole die Rechnung im Dome, so dass ich mir das Bier doch schmecken lassen konnte, danach machten wir noch einen Abstecher ins Hard Rock Café, wo Nicole ihren Hunger stillen und wir uns gute Musik anhören konnten. Um kurz nach 23 Uhr machten wir uns dann auf den Heimweg, Sonja und Nicole zu Fuß und Michaela und ich mit dem Bus.

Freitags konnten wir nun endlich mal ausschlafen. Der Tag sah auch nicht sehr viel versprechend aus, es war grau und sehr kalt. Nach einem ausgiebigen Frühstück entschieden wir uns trotz des leichten Schneefalls zu einem Spaziergang zum Royal Botanic Garden. Unterwegs wurde aus den wenigen Schneeflocken dann ein richtiges Schneegestöber und wir wurden richtig bis auf die Knochen ausgekühlt. Zum Glück gibt es im botanischen Garten einen Shop, so dass wir uns dort kurz aufwärmen konnten, bevor wir durch den Garten lustwandelten. Zu dieser Jahreszeit blühen naturgemäß nur sehr wenige Pflanzen, so dass sich unser Weg auf das Palmenhaus und die Treibhäuser konzentrierte, dort war es angenehm warm, in manchen Abschnitten herrschte eine tropische Luftfeuchtigkeit, so dass Kondenswasser von der gläsernen Decke tropfte. Nachdem wir nun einige Pflanzen und ein paar Albinofrösche gesehen hatten, ging es wieder in die Kälte, glücklicherweise hatte der Schneefall aufgehört und es war nur noch kalt, aber trocken. Im Garten bestaunten wir noch einige Grauhörnchen, die in der Suche nach Futter, unerschrocken zwischen den Spaziergängern umherliefen. Im Steingarten bestaunten wir den künstlichen Wasserfall und über den chinesischen Garten gingen wir dann wieder zum Ausgang. Mit dem Bus ging es dann wieder zurück nach Hause, denn wir waren doch sehr durchgefroren und mussten uns bei einem heissen Getränk wärmen.

Am Abend waren wir dann zum Essen mit Sonja und Christoph im Stadtzentrum verabredet. Um 18 Uhr trafen wir uns an der Ecke Hanover Street, George St., von dort aus suchten wir ein Restaurant und im Standing Order fanden wir noch einen Platz und aßen dort traditionell Fish’n’Chips. Um Halbacht waren wir mit Martin und Sinead im Jingling Geordie verabredet, als wir dort ankamen, saßen die beiden schon in einer Ecke und gönnten sich ein Pint. Wir gesellten uns zu ihnen und unterhielten uns über die und das. Von dort aus machten wir auf unserem Weg zum Scotsman noch Zwischenstation im Deacon Brodies, wo es ziemlich laut und voll war. Danach ging es aber gleich zum Scotsman, wo die Band schon spielte und die Stimmung wie immer ausgelassen war. Es war ein sehr schöner Abend und wir hatten alle sehr viel Spass. Als die Band um kurz nach Mitternacht fertig war, unterhielten wir uns noch kurz mit den Musikern und der Gitarrist konnte sich sogar daran erinnern, dass ich schon öfter im Scotsman war. Ich muss ja zugeben, dass dies mein sechster Besuch dort war, aber ich es immer wieder sehr toll finde. Nachdem wir uns von Sinead und Martin verabschiedet hatten, machten wir, Flela und ich, uns auf den Heimweg mit dem Nightbus, da dieser nicht bis zur Haltestelle am Holiday Inn fährt, legten wir den restlichen Weg mit einem Taxi zurück, da Michaela müde und ihr kalt war und ich aufgrund leichter Koordinationsschwierigkeiten einen doppelten Nachhauseweg gehabt hätte. Zuhause angekommen gab es noch einen Nachtsnack, mein Schatz bereitete uns noch ein paar überbackene Toasts. Gegen drei Uhr fielen wir dann todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen hatte ich einen ausgewachsenen Kater, der es mir unmöglich machte vernünftig zu frühstücken, das einzige was mir helfen konnte, war frische Luft, Wasser und Bewegung und so fuhren wir mit dem Bus nach Portobello. Am Strand konnten wir bei herrlichem Sonnenschein und erfrischender Seeluft Muscheln sammeln und den Tag genießen. Nach etwas mehr als zwei Stunden waren wir dann aber doch auch müde und spürten etwas die Kälte, so dass wir uns in einem kleinen viktorianischen Tea Room in Portobello aufwärmten. Unsere Anwesenheit drückte den Altersschnitt der Gäste gewaltig, dementsprechend ruhig und gemütlich ging es dort zu. Wir aßen einen Toast, ich trank Tee und Flela, wie immer eine heisse Schokolade. Danach fuhren wir mit dem Bus ins Stadtzentrum, dort wollte ich noch mit Michala bei Jenners einkaufen, damit auch sie mal dort gewesen ist. Im Sainsbury’s im Zentrum kauften wir dann die Zutaten für unser Abendessen und fuhren dann mit dem Bus Nummer 41 nach Hause. Zuhause ruhten wir uns kurz aus, bevor ich dann mit der Zubereitung unseres Dinners anfing. Es gab Bandnudeln, mit einer Pilz-Rahmsauce mit Fleischeinlage. Als Vorspeise Tomate-Mozzarella mit Pesto und Kräuterbaguette. So gesättigt verbrachten wir dann einen sehr schönen Samstagabend, auch wenn wir schon etwas traurig waren, da Michaela am Sonntag nach Hause fliegen sollte. Am Sonntag schliefen wir bis um 9 Uhr, danach bereitete mein Schatz ein wundervolles Frühstück mit Pfannkuchen vor. Um kurz vor 12 Uhr machten wir uns dann auf den Weg, um Sonja und Christoph abzuholen. Diese standen schon Startbereit am Straßenrand. Nachdem ihr Gepäck verstaut war, ging es dann auf die M8 in Richtung Glasgow. Die Fahrt verlief recht ruhig, es herrschte bestes Reisewetter und so passierten wir Glasgow und fuhren weiter Richtung Süden nach Prestwick. Überpünktlich erreichten wir den Flughafen, so dass Flela und der Rest als erste einchecken konnten. Danach tranken wir noch Kaffee und anderes und aßen Sandwichs und noch mehr. Um kurz vor 16 Uhr verabschiedete ich mich dann von meinem Schatz. Es war eine wundervolle Woche und ich freue mich schon auf Ostern, wenn ich wieder bei ihr in Deutschland sein kann.

Nachdem ich mein Auto vom Parkplatz gelenkt hatte, ging es dann im Abendsonnenschein über Glasgow zurück nach Edinburgh. Im Radio hörte ich die Fussballübertragung, träumte von der vergangenen Woche und war einfach nur glücklich und zugleich traurig. Um kurz nach 18 Uhr kam ich in Edinburgh an. Dort wärmte ich mir die Reste des vergangenen Abendessens und schaute fern. Später am Abend rief dann meine Michaela an, sagte mir, dass sie gut gelandet sei. Vor dem einschlafen telefonierten wir nochmals miteinander und dann schlummerte ich einen wunderschönen Traum.

Ob ich überhaupt vor Ostern aufwachen werde, ob das Hotel im Ravelston House Park immer noch geöffnet hat und wo ich mich sonst noch so Rumtreiben werde, könnt ihr zu gleicher Zeit an gleicher Stelle erfahren.

See you,

Alex





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